Foto: Nikolaï Saoulski
Das weltberühmte französische Künstlerduo Pierre et Gilles feiert sein fünfzigjähriges künstlerisches Zusammenspiel mit der Ausstellung « rose pour toi, rose pour moi ». Rund zwanzig Porträts, alle in den vergangenen zwei Jahren entstanden, entführen in jene glitzernde Bildwelt, in der sich das Alltägliche ins Märchenhafte verwandelt und Menschen zu Ikonen werden. Begleitet wird die Schau von der opulenten Monografie „Pierre et Gilles: Five Decades“ (ISBN: 978-1-972686-08-9), die ein halbes Jahrhundert gemeinsamen Schaffens feiert.
Etwas Geschichte: Als sich der Fotograf Pierre Commoy und der Maler Gilles Blanchard 1976 begegneten, begann eine künstlerische Liebesgeschichte, die bis heute ihresgleichen sucht. Seither sind die beiden nicht nur privat, sondern auch in ihrer Arbeit unzertrennlich. Aus Fotografie und Malerei entwickelten sie eine Bildsprache von betörender Eigenwilligkeit: Auf einer einzigen Leinwand verschmelzen fotografische Präzision und malerischer Überschwang zu idealisierten Porträts, die irgendwo zwischen Pop-Art, Kitsch, sakraler Ikonografie und queeren Traumwelten einzuordnen sind.
Vor allem sind es die Farben, die diesen Bildern ihren unverwechselbaren Zauber verleihen. Mit satten Tönen, schimmernden Oberflächen und liebevoll ausgeführten malerischen Eingriffen erinnern Pierre et Gilles an die frühen Tage der handkolorierten Fotografie, als Farbe noch mit dem Pinsel auf das Bild gebracht wurde. Kein Porträt gleicht dem anderen; jedes ist ein sorgfältig komponiertes Unikat, das den Dargestellten in eine eigene, bisweilen entrückte Welt versetzt. In ihrem Atelier vor den Toren von Paris entwerfen und fertigen die Künstler Kulissen, Kostüme und Requisiten mit großer handwerklicher Hingabe. Hinzu kommen Licht und Inszenierung, bis aus dem Atelier ein regelrechtes Theater wird. Die Bühne erzählt dabei stets eine Geschichte: von den Sehnsüchten, Rollen und Mythen ihrer Protagonisten. Vor der Kamera stehen berühmte Persönlichkeiten ebenso wie anonyme Modelle und Freund*innen, eben Menschen, die Pierre et Gilles in Ikonen verwandeln.
Mit « rose pour toi, rose pour moi » präsentieren Pierre et Gilles vom 7. November bis zum 30. Dezember diese Verwandlungskunst in Paris bei der Galerie Templon. Was zunächst wie ein farbenprächtiges Spiel mit Klischees erscheinen mag, erweist sich als vielschichtige Erkundung jener Mechanismen, durch die Bilder zu Ikonen und Menschen zu Projektionsflächen unserer Wünsche werden. Traumhaft, wortwörtlich.
Pierre et Gilles: „Saint Carlo Acutis (Martin Tournebize)“, 2026, Courtesy of the artist and Templon, Paris – Brussels – New York
Pierre et Gilles: „Le jardin des dieux (Owen Lindberg)“, 2026, Courtesy of the artist and Templon, Paris – Brussels – New York
Wir sind auch auf Instagram:

