Foto: © The Peter Hujar Archive / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Courtesy of The Peter Hujar Archive / ARS, New York, and Pace Gallery, Fraenkel Gallery, Maureen Paley, and Mai36
Selbstportrait, 1975
Am 27. Februar eröffnet „Eyes Open in the Dark“ in der Bonner Bundeskunsthalle. Bis zum 23. August sind dort die Werke des ukrainischstämmigen Künstlers Peter Hujar, eines frühen AIDS-Opfers, zu sehen.
Es gibt Fotografien, die nicht abbilden, sondern ausharren. Die nicht erklären, sondern bleiben. Peter Hujar (1934 – 1987) gehört zu jenen Künstlern, deren Bilder nicht laut werden, auch wenn sie von Körpern, Begehren, Krankheit und Tod erzählen.
Seine Schwarz-Weiß-Fotografien scheinen aus einer Zeit zu stammen, in der Sehen noch eine Form von Verantwortung war. Seine Porträts – Künstler, Liebhaber, Freunde, Fremde – sind keine Repräsentationen, sondern Zustände. Gesichter blicken nicht in die Kamera, Körper liegen da, verletzlich, müde, ungeschützt. Nichts wird beschönigt, aber auch nichts verraten. Entstanden sind viele dieser Arbeiten im New Yorker Downtown-Milieu der 1970er- und 1980er-Jahre, in einer Szene zwischen Kunst, Nachtleben und politischer Dringlichkeit. Doch Hujars Fotografien sind keine Dokumente einer Subkultur. Sie widerstehen der historischen Einordnung, weil sie sich auf etwas Konstanteres konzentrieren: auf Präsenz. Auf das fragile Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz.
Der Titel der Ausstellung wirkt wie ein leiser Imperativ. „Eyes Open in the Dark“ – die Augen offenhalten, gerade dort, wo es unbequem wird. Hujar fotografiert Kranke kurz vor dem Tod, schlafende Männer, nackte Körper, Tiere, leere Räume. Er sucht nicht das Spektakuläre, sondern das Unausweichliche. Seine Bilder verlangen Zeit, und sie geben nichts zurück, wenn man sie nur streift.
In einer Gegenwart, die von Sichtbarkeit besessen ist, wirken diese Fotografien beinahe widerständig. Sie wollen nicht geteilt, nicht geliked, nicht konsumiert werden. Sie fordern etwas Altmodisches: Aufmerksamkeit. Vielleicht sogar Empathie. Man steht vor ihnen und merkt, dass Wegsehen keine Option ist. Die Ausstellung in Bonn zeigt Peter Hujar nicht als Ikone der queeren Kunstgeschichte – obwohl er das zweifellos ist –, sondern als radikal präzisen Beobachter des Menschlichen. Seine Kamera urteilt nicht. Sie bleibt. Und genau darin liegt ihre Zumutung wie ihre Schönheit. www.bundeskunsthalle.de
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