Foto: Jan Persson / CTSIMAGES
Ella Fitzgerald, Kopenhagen 1966
Das Album „Live at Falkoner Theatre Copenhagen, 6th February 1966“ ist ein Muss für alle Liebhaber*innen von erstklassigem Soul und Jazz – und für Verehrer*innen der bedeutenden und wegweisenden Ella Fitzgerald, der „Queen of Jazz“.
Der Titel verrät es bereits: Auf diesem Tonträger hören wir die Aufzeichnung eines Konzerts, das Mitte der 1960er-Jahre im Falkoner-Theater in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen stattfand, wo die Emanzipierte in Klampenborg ein Apartment bewohnte. Deswegen verzeiht #mensch auch Texte wie die von „Wives and Lovers“ (geschrieben von Burt Bacharach). Der Liedtext erhebt die weibliche Selbstoptimierung zur ehelichen Pflicht. Die Frau soll geschniegelt, aufmerksam und gefällig bleiben, damit der Gatte keinen Anlass findet, sich anderweitig umzusehen. Untreue oder Entfremdung erscheinen nicht als gemeinsames Problem zweier Partner, sondern als Risiko, das die Frau durch permanente Attraktivitätsarbeit abzuwenden hat. In dieser Logik trägt sie die Last der Beziehung, während dem Mann die Rolle des leicht ablenkbaren Betrachters zufällt – ein bemerkenswertes Dokument jener Geschlechtervorstellungen, die in den frühen 1960er-Jahren noch weithin als selbstverständlich galten. Bei Ellas Version denke ich mir aber ein bisschen Ironie hinein …
Trotzdem ist das am 24. Juli erscheinende Album der Schlüsselfigur der amerikanischen Musikgeschichte ein ganz wunderbares Werk. Unsere Anspieltipps sind „How High the Moon“, das 1975 sehr erfolgreich von Gloria Gaynor gecovert wurde, „Mack the Knife“ und „Let’s Do It, Let’s Fall In Love“, das du womöglich von Eartha Kitt kennen wirst. Die Aufnahme dokumentiert eine Künstlerin auf dem Höhepunkt ihrer Ausdruckskraft: mit technischer Brillanz, spielerischer Leichtigkeit und jener unverwechselbaren Eleganz, die ihr einen festen Platz in der Jazzgeschichte gesichert hat. Fernab der kontrollierten und stressiger Bedingungen des Tonstudios entfaltet Ella Fitzgerald auf dieser Live-Aufnahme ihre ganze Bühnenpräsenz. Mit scheinbar müheloser Präzision bewegt Ella sich zwischen Swing, Soul-Ballade und improvisatorischen Passagen, wobei jede Phrase von musikalischer Intelligenz und emotionaler Tiefe geprägt ist. Ihr Gesang wirkt zugleich virtuos und unmittelbar, raffiniert und zugänglich. Darüber hinaus vermittelt das Konzert die besondere Atmosphäre eines Jazzabends in den 1960er-Jahren und ist zudem eine Erstveröffentlichung eines beinahe vernichteten Radio-Bands aus einem Privatarchiv(!).
Ella Fitzgerald wurde von vielen Queers als warmherzige und verlässliche Verbündete wahrgenommen. Gerade in den 1980er-Jahren, während der AIDS-Krise, zeigte sie viel Mitgefühl, unterstützte Spendenaktionen und stand LGBTIQ*-Künstler*innen solidarisch zur Seite. www.ellafitzgerald.com
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