Foto: @pup_zushi
Die LGBTIQ*-Community ist vielfältig. Unter anderem Cis-Männer, Dragqueens, trans Menschen und auch Puppys gehören ihr an. Und einer hatte Zeit für uns.
Seit wann machst du Pupplay? Ich lebe seit 2025 aktiv als Pup. Der Gedanke, Teil dieser Community zu werden, war aber bereits deutlich länger in mir. Ich habe mich schon Jahre vorher dafür interessiert, aber mir hat ehrlich gesagt der Mut gefehlt, diesen Schritt wirklich zu gehen. Erst als ich mich persönlich an einem ziemlichen Tiefpunkt befand, habe ich mich dazu entschieden, es einfach auszuprobieren. Im Nachhinein war das eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Du bist mit einem Puppy zusammen. Ja, ich bin seit 2023 verheiratet, und mein Partner ist ebenfalls ein Pup. Das verbindet natürlich auf eine ganz besondere Art, weil man diese Welt gemeinsam erleben und verstehen kann.
Was reizt dich an der Puppy-Szene? Am meisten reizt mich der sogenannte Headspace. Das ist für mich das Herzstück von Pupplay. Wenn ich in diese Rolle gehe, wird die Welt ein Stück leiser. Ich fühle mich angekommen, entspannter und gleichzeitig selbstbewusster. Ich kann einfach Spaß haben und das tun, worauf ich Lust habe, ohne mich ständig zu hinterfragen. Leider habe ich manchmal das Gefühl, dass dieser Aspekt in der Szene etwas in den Hintergrund rückt und vieles stärker auf Äußerlichkeiten oder Gear reduziert wird. Für mich steht aber die Persönlichkeit und das Gefühl dahinter im Vordergrund. Was ich besonders schätze, ist die Vielfalt der Menschen. Ich habe in dieser Community unglaublich viele unterschiedliche Persönlichkeiten kennengelernt, aus ganz verschiedenen Lebensbereichen und mit ganz eigenen Geschichten. Daraus sind auch echte Freundschaften entstanden, die weit über das Thema hinausgehen.
Wie nutzt du Social Media? Vor allem kreativ. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram erstelle ich humorvolle Videos und kleine Sketche über die Puppy-Community und alltägliche Situationen. Ich gehe auch regelmäßig live und tausche mich mit anderen aus der Community aus. Für mich ist das nicht nur Content, sondern auch persönliches Wachstum. Ich merke, wie ich mit jedem Video ein Stück selbstbewusster werde. Zushi ist für mich dabei nicht nur ein Kink oder eine Subkultur, sondern ein Teil meiner Persönlichkeit. Was mich besonders beeindruckt, ist die Kreativität innerhalb der Community. Zwei meiner engsten Freunde sind dafür ein gutes Beispiel: Einer ist Sänger, Songwriter und Schauspieler aus der Schweiz, der andere ein leidenschaftlicher Autor und Künstler. Diese Vielfalt an Talenten und Hintergründen macht die Community für mich unglaublich inspirierend.
Bald ist CSD, was bedeutet die Demo für dich? Für mich bedeutet der CSD vor allem Sichtbarkeit. Gerade weil die Puppy-Community oft missverstanden wird, ist es wichtig, präsent zu sein und zu zeigen: Wir sind ganz normale Menschen. Ich komme aus Bayern, und hier ist das Angebot für Puppys eher begrenzt, die Szene kleiner und die gesellschaftliche Akzeptanz teilweise noch zurückhaltend. Deshalb ist es für mich wichtig, auf die Straße zu gehen, aufzuklären und Berührungsängste abzubauen.
Stichwort Sichtbarkeit: Hat man es in der queeren Community schwerer als Puppy? Teilweise ja. Auch innerhalb der queeren Community wird man als Puppy oft schnell in eine rein sexuelle oder devote Schublade gesteckt. Dabei ist das für viele – mich eingeschlossen – nur ein Teil oder manchmal gar nicht der Fokus. Es geht oft viel mehr um Community, Headspace und Ausdruck. Ich finde, auch innerhalb der Community braucht es mehr Aufklärung und Offenheit, damit nicht alles sofort in ein festes Schema gepresst wird.
Hape Kerkeling soll Italien verlassen haben, weil ihm die Homophobie zu viel wurde. Wie siehst du die Lage in Deutschland? Ich würde die Situation in Deutschland als gemischt beschreiben. Ich persönlich habe bei meinem Outing nur sehr wenig negative Erfahrungen gemacht, wofür ich sehr dankbar bin. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass gerade in ländlicheren Regionen oder Bundesländern wie Bayern noch viel Aufklärungsarbeit notwendig ist. Wir dürfen nicht vergessen, wie viel frühere Generationen für die Rechte queerer Menschen erkämpft haben. Aber diese Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Aktuell habe ich nicht das Gefühl, dass ich mein Leben hier nicht leben kann. Aber ich denke schon, dass man wachsam bleiben muss. Sollte sich die gesellschaftliche oder politische Stimmung stark ins Negative entwickeln, müsste man sich vielleicht irgendwann neu orientieren. Im Moment sehe ich Deutschland aber noch als einen Ort, an dem man für mehr Sichtbarkeit kämpfen kann und sollte.
*Interview: Michael Rädel
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