Foto: Rich Fury | Getty Images | AFP
Udo Kier
Eben erreichte uns die Nachricht, dass Udo Kier gestern verstorben ist. Er war einer der ganz großen Queers in Hollywood – und weit darüber hinaus.
Udo Kier, eine der markantesten und mutigsten Stimmen des queeren internationalen Kinos, ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Der gebürtige Kölner prägte seit den 1960er-Jahren die Filmwelt mit einer Intensität und Wandelbarkeit, die weltweit ihresgleichen suchte. Früh zog es ihn aus Deutschland hinaus in die internationale Filmszene. Dort arbeitete er mit einigen der bedeutendsten Regisseur*innen seiner Zeit zusammen: mit Rainer Werner Fassbinder, mit dem er zeitweise in der legendären „Deutschen Eiche“ in München lebte; mit Lars von Trier, Andy Warhol und auch mit Madonna (ein Video der beiden Künstler*innen zusammen gibt es unten). Kier war kein Schauspieler für Zwischentöne – oder besser: Er schuf neue. Ob schillernd, düster oder radikal ambivalent: Seine Figuren blieben im Gedächtnis, getragen von einem Blick, der gleichermaßen verletzlich wie unheimlich sein konnte.
Zu seinen bekanntesten Rollen zählen Auftritte in „My Private Idaho“, „Armageddon“, „Schamlos“, „Iron Sky: The Coming Race“, „Dancer in the Dark“, „Andy Warhols Frankenstein“, „Kir Royal“ und „Swan Song“. Der Künstler bewegte sich mühelos zwischen Arthouse und Horror, zwischen experimenteller Kunst und Hollywood-Spektakel – und blieb dabei doch immer er selbst: eigenwillig, extravagant, unverkennbar. Als offen schwuler Künstler setzte er Maßstäbe für queere Sichtbarkeit im Film. Für seinen herausragenden Beitrag zur queeren Filmkultur wurde ihm 2020 der Spezial-TEDDY AWARD der Berlinale verliehen – eine späte, aber überfällige Würdigung eines Pioniers.
Mit Udo Kier verliert die Filmwelt einen Grenzgänger, der sich nie von Kategorien einfangen ließ. Sein Vermächtnis lebt in seinen mehr als 200 Rollen fort – und in dem Mut, den er vielen gab, ihre eigene Geschichte ohne Kompromisse zu erzählen.
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