Fotos: @naturistlucas
Der Blogger aus Frankreich präsentiert auf Social Media eine gewagte, aber zugleich erfreuliche Mischung aus Kunst und Aktfotografie. Wir konnten etwas mehr über ihn und seine Arbeit erfahren.
Wie genau hast du als Kunst- und Erotik-Blogger angefangen? Ich bin eigentlich schon seit mehr als zehn Jahren Naturist. Anfangs war das etwas sehr Persönliches – fast Geheimnisvolles –, weil Naturismus immer noch weitgehend missverstanden wird. Nacktheit wird oft sofort mit Sexualität in Verbindung gebracht, während es für mich immer um Freiheit, Komfort und Ehrlichkeit mir selbst gegenüber ging. Mit der Zeit habe ich langsam gelernt, diesen Teil meiner Persönlichkeit anzunehmen. Ich habe andere Naturisten kennengelernt, echte Freundschaften geschlossen und Gemeinschaften gefunden, in denen Nacktheit nichts Ungewöhnliches war, sondern einfach ganz natürlich. Diese Orte haben mir geholfen zu verstehen, dass der menschliche Körper, auch mein eigener, nicht ständig versteckt oder beurteilt werden muss. Als ich Mitte dreißig war, verspürte ich den starken Wunsch, diese Freiheit nicht mehr nur für private Momente zu reservieren. Ich wollte mein alltägliches Leben als Naturist offen teilen – meine Gedanken über den Körper, Selbstakzeptanz, Verletzlichkeit, aber auch die spielerische und manchmal absurde Seite des Nacktseins in einer sehr bekleideten Welt. Was als etwas Persönliches begann, wurde langsam zu etwas Künstlerischem. Durch Fotos, Zeichnungen und humorvolle Videos erkunde ich den Raum zwischen Intimität und Sichtbarkeit, Zärtlichkeit und Selbstvertrauen. Wenn es einen Hauch von Erotik gibt, dann geht es nie um Provokation, sondern nur darum, die einfache Tatsache zu feiern, in einem Körper lebendig zu sein. Vor allem aber ist meine Absicht Freundlichkeit: gegenüber meinem eigenen Körper, gegenüber anderen Körpern und gegenüber allen, die sich in dieser Reise vielleicht ein Stück weit wiedererkennen.
Hattest du jemals Probleme wegen deiner Kunst? Ehrlich gesagt, nicht wirklich. Ich bin ein sehr kreativer Mensch – mein Kopf ist immer voller Ideen. Ich zeichne, fotografiere, experimentiere, stelle mir Dinge vor ... Das Schöpferische war für mich schon immer eine natürliche Art, in der Welt zu existieren. Wie du dir vielleicht denken kannst, ist mein Lieblingsmotiv der menschliche Körper, insbesondere der künstlerische Akt. Ich schaffe viele Selbstporträts, sowohl in der Fotografie als auch in der digitalen Malerei. Die Erforschung meines eigenen Körpers durch die Kunst fühlt sich intim an, aber auch universell – wie ein stiller Dialog zwischen Verletzlichkeit und Schönheit. Ich bin auch ein engagiertes Aktmodell. Es ist etwas zutiefst Bewegendes, nackt vor Künstlern zu posieren und zu beobachten, wie jeder von ihnen denselben Körper mit unterschiedlicher Sensibilität und Technik interpretiert. In diesen Momenten hört der Körper auf, etwas zu sein, das man beurteilen kann, und wird zu reinem Ausdruck. Anstatt Probleme zu verursachen, hat mir die Kunst vor allem Verbundenheit, Neugier und Freiheit gebracht. Sie hat mir Türen zum Dialog geöffnet – mit mir selbst und mit anderen – und mich daran erinnert, dass Kreativität sogar das gewöhnliche Leben in etwas Sinnvolles verwandeln kann.
Was gefällt dir an Social Media? Am meisten liebe ich die Möglichkeit, meinen Alltag auf sehr direkte und menschliche Weise zu teilen. Kein idealisiertes Leben, nur mein einfacher naturistischer Alltag, meine Kreationen und meine Gedanken über den Körper, Freiheit und Selbstakzeptanz. Ich schätze besonders den Dialog, der dadurch entsteht. Nachrichten zu erhalten, Erfahrungen auszutauschen, manchmal Menschen dabei zu helfen, ihren eigenen Körper mit mehr Freundlichkeit zu betrachten ... diese Dimension der Verbindung bedeutet mir sehr viel. Wenn meine Präsenz auch nur eine Person dazu ermutigen kann, weniger Scham und mehr Frieden zu empfinden, ist das für mich schon sinnvoll. Jede Plattform hat ihre eigene Energie. Instagram hat es mir ermöglicht, mit vielen Künstlern in Kontakt zu treten und schöne kreative Kooperationen zu entwickeln. Bluesky fühlt sich offener und verspielter an – ein Raum, in dem ich mich ohne Filter oder Scham zeigen und durch kleine absurde Videos rund um Nacktheit meinen Humor entdecken kann. Letztendlich sind soziale Medien nur ein Werkzeug. Aber im richtigen Kontext können sie zu einem Ort der Ehrlichkeit, der Kunst und echter menschlicher Verbundenheit werden.
Und was ist mit Aktfotografie? Aktfotografie ist etwas, mit dem ich mich tief verbunden fühle. Ich habe Bilder und visuelles Storytelling schon immer geliebt, und der künstlerische Akt erscheint mir als eine der ehrlichsten Ausdrucksformen. Durch die Fotografie erkunde ich meinen Körper in verschiedenen Posen, Stimmungen und Alltagssituationen – nicht, um ihn zu idealisieren, und schon gar nicht, um mich selbst zu ernst zu nehmen, sondern einfach, um einen lebendigen, sich verändernden Körper zu beobachten, mit ihm zu spielen und ihn zu dokumentieren. Auch Humor spielt eine wichtige Rolle. Nacktheit muss nicht immer ernst oder dramatisch sein – sie kann leicht, zart und sogar ein wenig absurd sein. Und ich liebe diese Freiheit. Für mich geht es bei der Aktfotografie weniger um das Bild selbst als um das Gefühl, das es vermittelt: Präsenz, Ehrlichkeit und stille Selbstakzeptanz.
Worauf freust du dich im Frühling und Sommer? Meine Antwort mag für einen Naturisten überraschend klingen, aber am meisten freue ich mich tatsächlich auf den Frühling. Die Natur wirkt in dieser Jahreszeit magisch – Blumen blühen wieder, Bäume erwachen, das Licht wird weicher und länger. Ich liebe es, nackt im Wald und in der Nähe von Flüssen spazieren zu gehen, manchmal klettere ich sogar auf Bäume. In diesen Momenten fühle ich mich wie eine friedliche Version von Tarzan, einfach verbunden mit der lebendigen Welt um mich herum. Der Sommer ist wunderbar für Strände und gemeinsame FKK-Bereiche. Aber ich habe von Natur aus eine sehr warme Körpertemperatur – ich kann im Winter zu Hause ohne Heizung nackt leben –, sodass mir die intensive Sommerhitze tatsächlich schwerer fällt als die kälteren Jahreszeiten. Und vielleicht gibt es eine einfachere Erklärung: Ich wurde im Frühling geboren. Vielleicht gehört ein Teil von mir also immer zu diesem ruhigen Moment der Erneuerung.
*Interview: Michael Rädel
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