Fotos: GMF / M. Rädel
Im April 1996, in einem Berlin, das sich noch tastend neu erfand, begann etwas, das bald mehr sein sollte als nur eine Party: das „GMF“. Der Name trug sein Versprechen bereits in sich – ein selbstbewusstes „G“ für gay, ein Augenzwinkern in Richtung Herkunftsort, dem damaligen WMF, jener ehemaligen Württembergischen Metallwarenfabrik in Berlins schöner Mitte, deren industrielle Kühle plötzlich zum Resonanzraum für Wärme, Körper und Gemeinschaft wurde.
Drei Jahrzehnte später wirkt die Erinnerung an das „GMF“ wie ein flirrendes Echo aus einer Zeit, in der Sonntagabende noch Übergangszonen waren – zwischen Wochenende und Alltag, zwischen Hedonismus und Erschöpfung, zwischen Sichtbarkeit und Rückzug. Während draußen die Stadt sich neu sortierte, wurde drinnen eine andere Ordnung geschaffen: eine der Beats, der Blicke, der Zugehörigkeit.
Seine eigentliche Blüte erlebte die Party von Bob Young in den Nullerjahren, als Berlin längst zur Projektionsfläche globaler Nachtphantasien geworden war. Im heutigen Weekend Club, hoch über den Dächern der Stadt, und im Café Moskau, mit seinem ostmodernen Pathos, verdichtete sich das, was man rückblickend vielleicht als eine spezifisch Berliner Mischung beschreiben könnte: Glamour ohne Hochglanz, Exzess ohne Pose, Intimität im Kollektiv. Hier wurde nicht nur getanzt – hier wurde performt, ausprobiert, verworfen, neu zusammengesetzt.
Das „GMF“ war Bühne, Klub und Sprungbrett zugleich. Dragqueens wie Barbie Breakout (in der Collage oben ganz oben zu sehen), Ades Zabel, Biggy van Blond sowie Kaspar Kamäleon und Melli Magic verwandelten die Nacht in ein theatrales Kontinuum, in dem Identität nie feststand, sondern immer im Werden begriffen war. Es waren Auftritte, die weniger als Show denn als Behauptung gelesen werden konnten: Seht her, wir sind da – und wir sind viele. Auch musikalisch setzte das „GMF“ auf eine auf die Dancefloors lockende Balance aus House-Hits und Elektro-Avantgarde. DJs wie WestBam (!), Maringo, Boris Dlugosch, Paul van Dyk (!) und Divinity lieferten den Soundtrack einer Generation, die sich zwischen Vocal House, Dance und Elektro bewegte, ohne sich festlegen zu lassen. Es war Musik, die nicht nur funktionierte, sondern verband – die den Raum strukturierte und zugleich auflöste.
Dass die letzte Party 2022 stattfand, markiert hoffentlich weniger ein Ende als einen Übergang ... Denn das „GMF“ war nie nur an seine Orte gebunden. Es war ein soziales Gefüge, ein queeres Versprechen von Sonntag zu Sonntag, ein klubbiges Ritual, das seine Bedeutung aus der Wiederholung schöpfte – und aus der Gewissheit, dass irgendwo zwischen Bassline und Morgengrauen ein Raum existiert, in dem #mensch Mensch sein konnte. Und wer weiß, vielleicht kommt die Party ja zurück? www.instagram.com/gmfberlin, www.facebook.com/gmf
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