Foto: M. Rädel
Bregenz, CSD
Sichtbarkeit ist wichtig, denn wer nicht gesehen wird, der/die bekommt keine Rechte, keine Gleichberechtigung. Wir fragten in der LGBTIQ*-Community nach.
„Inzwischen gibt es nicht nur in den großen deutschen Städten CSDs und Pride-Veranstaltungen. Queeres Leben findet überall statt. Von daher ist es wichtig zu zeigen, dass wir überall sind und uns nicht ‚nur‘ in Großstädten versammeln. Wir sind inmitten der Gesellschaft – und Teil davon. Für mich bedeutet der CSD auch internationale Solidarität mit queeren Menschen, die immer noch auf Grund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden. Die Stonewall-Demonstrationen in den USA (1969), die die Anfänge für die internationale Queer-Bewegung ebneten, waren keine Aufstände, die von einer weißen Mittelschicht angeführt wurden, sondern es waren einfache Leute, Streetkids, Prostituierte, Drags, People of Color wie Marsha P. Johnson und Sylvia Rivera, die für uns alle aufgestanden sind. In dieser multikulturellen und queeren Tradition sehe ich den CSD verankert. Der CSD bedeutet für mich, nicht nur in der Sache selbst solidarisch miteinander zu sein, sondern sich auch innerhalb der Community stets mit Achtung und Respekt zu begegnen.“ Rosa von Praunheim
„CSD, Pride Month und queere Sichtbarkeit sind mir sehr wichtig. Wir sollten es nicht als selbstverständlich ansehen, wenn schwul mit einem Click nicht mehr zu googeln ist. Auch innerhalb der queeren Community dürfen wir uns weiterhin in Respekt, Toleranz und Menschlichkeit üben.“ Frank Lorenz
„Der CSD und Pride Month ist für mich wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag ein Tag zum Feiern und Gedenken. Nicht mehr und nicht weniger.“ Betty BücKse
„Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder am CSD teilgenommen, war beeindruckt von der Vielfalt und fühlte mich bestärkt, als ich sah, wie viele heterosexuelle Menschen solidarisch mitmarschierten, während wir uns gemeinsam gegen die immer noch existierenden rechten politischen Strömungen stellten, die versuchen, unsere Rechte und Errungenschaften zu untergraben.“ Pancho Assoluto
„Es ist natürlich wichtig und gut, dass wir unsere Community an einem dafür bestimmten Termin/Zeitraum zeigen. Dass wir sichtbar sind. Aus meiner Sicht gab es aber in den letzten zwanzig Jahren die Tendenz zur Verflachung des Zeigens unserer (politischen) Ansprüche in der Gesellschaft. Wir sollten als Community mehr im Alltag und bei aktuellen Themen sichtbar sein, denke ich. Also sichtbar sein gegen rechts zum Beispiel. Deshalb sage ich immer: Ich geh nicht auf den CSD, ich kämpfe jeden Tag!“ DJ Modeopfer
„Pride war und ist immer eine Zeichensetzung. Wir sind da und bleiben. Wir kämpfen für die Rechte unserer Community, und auch wenn die Welt nach rechts rutscht, werden wir für Equality einstehen. #transisbeautyful“ Amanda Cox
„Für mich ist der CSD ein Treffen mit und unter Freunden ... Ich freue mich jedes Jahr darauf, mit meinen Freunden zusammen durch die Straßen zu streifen und die (bunte) Vielfalt zu erleben. Ob es jetzt in Berlin, Bremen oder wie dieses Jahr in Hamburg ist. Der Pride Month steht für Vielfältigkeit, Akzeptanz (sollte so sein) Sichtbarkeit, Toleranz und für mich auch für ein Stück Normalität. Jeder Mensch hat das Recht, seine Gefühle auszudrücken, egal wie alt wir sind. Ich bin Oliver und pansexuell.“ SportyO
„Was bedeutet für mich der CSD? Eine politische Parade, auf der man all seine Freunde trifft, gemeinsam feiert! Im Pride Month, im wichtigsten und schönsten Monat im Jahr, geht alles um den Regenbogen! Natürlich sind wir wieder mit einer Ausstellung und einem Stand auf dem Straßenfest dabei – diesmal direkt vor Titanen. Dort findet auch unsere Pride-Ausstellung statt!“ Lars Deike
„CSD bedeutet für mich die Zeit im Jahr, in der man alle oder viele Gesichter aus seiner Stadt (aber auch aus der ganzen Welt), die man kennt, trifft und mit ihnen gemeinsam eine schöne, freudvolle Zeit erlebt.“ Milan Brinker
„2025 und wir müssen darum bangen, ob ein CSD politisch genug ist, um abgehalten zu werden?! Wir müssen alle auf die Straße und um unsere queeren Menschenrechte kämpfen, und um sie zu erhalten!“ Gitti Reinhardt
„Der CSD bedeutet für mich eine öffentliche Wahrnehmung, … dabei spielt es keine Rolle, ob jemand ein Plakat mit Forderungen hochhält - oder einfach nur ein Bestandteil der feiernden Masse ist … Vergessen wir nicht, dass diese Sichtbarkeit in vielen Ländern noch nicht möglich ist und auch bei uns in Deutschland in den 80er-Jahren undenkbar war … Wir sollten beim Feiern einfach nicht zu sehr über die Stränge schlagen und in der Öffentlichkeit die Hosen zu lassen … immer wieder wird auch der kommerzielle Charakter des CSD kritisiert, … Aber realistisch gesehen sind Großveranstaltungen dieser Art halt ohne diese finanziellen Unterstützungen nicht möglich. Und keiner von uns will doch in die Schränke zurück.“ Stefan Merkt
28.6. – 27.7., 4. Pride Month Berlin, 26.7., Berlin Pride / CSD Berlin, csd-berlin.de
Mit den jährlichen CSD-Paraden erinnert die queere Community an die Stonewall-Aufstände von 1969 in der Christopher Street in New York – ein bedeutender Wendepunkt im Kampf für die Rechte von LGBTIQ*-Menschen. Nachdem sich damals Queers in der Bar „Stonewall Inn“ tagelang aus Protest gegen andauernde Polizeirazzien verschanzt hatten, ging alles los, was wir heute feiern, Christopher Street Days und Prides. Ein wichtiges CSD-Symbol ist auch die Regenbogenflagge.
🏳️🌈 Bereits im 16. Jahrhundert wurde eine Regenbogenflagge erstmals in einer Kirche aufgehängt – und zwar von Thomas Müntzer. Die heute bekannte queere Version der Regenbogenflagge tauchte jedoch erstmals 1978 beim Gay Freedom Day in San Francisco auf. Entworfen wurde sie vom Künstler und Aktivisten Gilbert Baker. Für ihn stand der Regenbogen symbolisch für Vielfalt, Gemeinschaft und Zusammenhalt – schließlich vereinen sich all seine Farben zu einem harmonischen Ganzen. Ursprünglich bestand die Flagge aus acht Streifen, doch schon bald wurde der pinke Streifen weggelassen. Der Grund: Nach der Ermordung des offen schwulen Politikers Harvey Milk im Winter 1978 stieg die Nachfrage nach der Flagge sprunghaft an – doch pinker Stoff war schwer erhältlich. Ein Jahr später, bei der Parade in San Francisco 1979, wurden außerdem Indigo und Türkis zu einem kräftigen Blau zusammengelegt, da eine gerade Anzahl an Streifen die Gestaltung vereinfachte. So entstand die Version der Regenbogenflagge, wie wir sie heute weltweit kennen. 2015 wurde sie vom Museum of Modern Art als internationales Symbol der Queer-Community anerkannt.


