Foto: QuT/QuB
Mitarbeitende von QuT und QuB von LIBS e.V.
LIBS steht für „Lesben Informations- und Beratungsstelle“ – hinter diesem etwas nüchtern klingenden Namen steckt ein lebendiges Haus mitten im Frankfurter Bermudadreieck mit einer Vielzahl von Angeboten. LIBS ist heute eine zentrale Anlaufstelle für queere Menschen, Angehörige und Fachkräfte in Frankfurt und bietet queer-feministische Beratung, Gruppenangebote, Jugendtreffs und Fortbildungen rund um LBTIQ+ Themen. Wir haben mit dem Team über ihre Arbeit gesprochen.
Das LIBS ist bei vielen (und auch bei mir) noch immer als Beratungsstelle ausschließlich für lesbische Frauen im Kopf – dabei hat sich das Angebot inzwischen erweitert. Ein Prozess, der – wie bei vielen anderen Initiativen und Organisationen auch – bestimmt nicht ohne Diskussionen ablief. Wie hat sich das bei euch entwickelt und wie versteht ihr eure Beratungsstelle heute?
Wir sehen die Öffnung für nicht-binäre, trans* und inter* Personen wie auch für bi+ und asexuelle Frauen und TINA* Personen als logischen Schritt in der Geschichte von LIBS: von Anfang an waren trans* Frauen im LIBS willkommen, was in lesbischen Räumen leider nicht selbstverständlich war und ist. Mit dem vom Land finanzierten Projekt zur Erweiterung der Beratung für bi+sexuelle Frauen und nicht-binäre Personen hat sich diese Entwicklung fortgesetzt. Parallel lief die Neukonzeption des offenen Jugendtreffs, in dem übrigens ein schwuler Trans*mann arbeitet. Die Weiterentwicklung drückt sich auch in den neuen Namen QuT- Queer-feministischer Treff für den Jugendtreff, sowie der Benennung des Beratungsangebots als QuB- Queer-feministische Beratung und Bildung aus. Die Landesfachstelle LSBT* im Alter in Kooperation mit der AIDS-Hilfe Frankfurt hatte von Anfang an alle queeren Menschen im Blick, und mit dem „Treff.Punkt: Lesben 57++“, einem Angebot von LIBS, sind wir im regen, generationenübergreifenden Austausch zu den Themen.
Dies bedeutet nicht, dass alles einfach war und ist. Gerade in diesen Zeiten, in denen die Rechte von queeren Menschen wieder stark angegriffen werden, ist es aber umso notwendiger und wichtiger, solidarisch zusammen zu stehen und sichtbar zu sein.
Was hat sich in der Sichtbarkeit von Lesben in den vergangenen Jahren verändert?
Nach außen hin sind heute lesbische Frauen, nicht-binäre und trans* Personen sichtbarer, wobei viele bei „lesbisch“ immer noch vorwiegend an zwei cis-Frauen denken. Dabei war in lesbischen Räumen das Thema Geschlecht und damit auch geschlechtliche Vielfalt sowie auch unterschiedliche Beziehungskonzepte immer schon wichtig, auch wenn die Begriffe andere waren.
Mit dieser Mainstream-Sichtbarkeit ging aber teilweise die Radikalität und Hinterfragung von gesellschaftlichen Normen verloren, andererseits schlägt sich die Sichtbarkeit und Gleichberechtigung oft noch nicht in Gesetzen und Regelungen wieder. So ist zum Beispiel das Abstammungsgesetz immer noch zutiefst diskriminierend, und trans* und nicht-binäre Personen sind auch in Schutzräumen Gewalt ausgesetzt.
Andererseits kriegen wir in der Beratung, im Jugendtreff und durch die Arbeit mit älteren Lesben immer wieder mit, wie viel Ablehnung und Diskriminierung Lesben bei einem Coming-out auch im nahen Umfeld erfahren. Trotz der größeren Sichtbarkeit im Mainstream sitzen Queer- und Homofeindlichkeit nach wie vor sehr tief.
Ein Schwerpunkt eurer Arbeit sind verschiedene Beratungsangebote für queere Menschen mit Kinderwunsch und Regenbogenfamilien – wie kam es dazu und wer kann sich bei euch beraten lassen?
Der Schwerpunkt auf Beratungs- und Informationsangebote für queere Menschen mit Kinderwunsch und Regenbogenfamilien entstand, weil die Bedarfe direkt von der Community an uns herangetragen wurden. Die Kinderwunschberatung gibt es bereits seit vielen Jahren und wir konnten sie in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausbauen. Inzwischen beraten wir alle, die jenseits normativer Familienmodelle mit Kind leben möchten. Gleichzeitig zeigt die hohe Nachfrage, dass weitere Angebote dringend benötigt werden. Es braucht passende Räume für Familien mit kleinen Kindern und deutlich mehr Kapazitäten, um alle Anfragen angemessen begleiten zu können. Unser Wunsch ist es daher, Fördermittel für ein Regenbogenfamilienzentrum in Frankfurt zu erhalten.
Beraten lassen können sich bei uns queere Einzelpersonen, Paare, Polyküle und andere Familienkonstellationen mit Kinderwunsch, auch werdende Eltern sowie bestehende Regenbogenfamilien. Wir bieten umfassende Unterstützung und Informationen, die auf die Bedarfe queerer Personen zugeschnitten sind und die rechtlichen und sozialen Herausforderungen adressieren, mit denen queere Personen und alle, die alternative Formen von Familie leben möchten, konfrontiert sein können. Die Angebote im Bereich „Leben mit Kindern“ umfassen Themen wie Wege zum Kind, rechtliche Fragen, Rollenklärung innerhalb der Familie, der Umgang mit Verlusterfahrungen sowie die Vernetzung mit anderen queeren Familien, beispielsweise in unserem Offenen Babytreff, der in Kooperation mit dem KiFaZ Innenstadt neu entstanden ist.
Wie seid ihr auf der diesjährigen Frankfurt Pride vertreten?
Wir haben uns in diesem Jahr bewusst dagegen entschieden, mit einem eigenen Stand beim CSD vertreten zu sein. Stattdessen wollen wir unsere Kräfte und Ressourcen direkt der Community zugutekommen lassen.
Deshalb öffnen wir die Räume des QuT am CSD-Samstag ab 10 Uhr den ganzen Tag für Jung und Alt. Es gibt dort die Möglichkeit, sich vor der Demo umzuziehen, zu schminken und sich auf den Tag vorzubereiten. Von unserem Standort in der Alten Gasse 38 kann man auch wunderbar den Demo-Zug anschauen.
Darüber hinaus stehen unsere Toiletten (leider nicht barrierefrei) zur Verfügung, es gibt einen ruhigen Wickelplatz für Babys und die Räume bieten einen Rückzugsort und die Möglichkeit sich zwischendurch von der Hitze zu erholen.
Mit kalten Getränken und kleinen Snacks möchten wir dazu einladen sich auszutauschen, kennenzulernen oder auch nur zu entspannen.