Mitch Brown, Ex-Profi der West Coast Eagles, hat sich als bisexuell geoutet. Der 36-Jährige durchbricht damit eine über 150-jährige Tradition des Schweigens in einem Sport, der als extrem „hypermaskulin“ gilt – und schreibt Geschichte als erster männlicher Spieler in der Australian Football League (AFL), der sich offen als queer identifiziert.
Australian Rules Football hat seine Wurzeln im Jahr 1858 und ist die beliebteste Zuschauersportart des Landes, wurde jedoch lange Zeit von Homophobie und Rassismus geprägt. Erst vergangene Woche wurde Izak Rankine der Adelaides wegen einer homophoben Beleidigung gegen einen Gegner mit einer Sperre von vier Spielen belegt – bereits der sechste Fall innerhalb von 16 Monaten.
Mitch Brown, der zwischen 2007 und 2016 für die West Coast Eagles aus Perth spielte, sagte im Interview mit dem Jugendmedium The Daily Aus, seine Bisexualität sei ein „entscheidender Faktor” für seinen Rücktritt im Alter von 28 Jahren gewesen. Brown, heute 36 Jahre alt: „Ich habe zehn Jahre lang in der AFL für die West Coast Eagles gespielt – und ich bin ein bisexueller Mann.“
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Auch Brown hat im Laufe seiner Karriere viele homophobe Kommentare gehört, ohne sich zu äußern – aus Angst, man könne ihn selbst für schwul oder bisexuell halten. „Ich erinnere mich, dass zwei Leute darüber sprachen, wie sie sich fühlen würden, wenn sie neben einem schwulen Mann duschen müssten, und einer der Spieler sagte: ‚Ich wäre lieber in einem Käfig voller Löwen als neben einem schwulen Mann zu duschen.‘“
Brown sagte, er habe gelernt, Teile seiner Persönlichkeit zu verbergen, nicht nur seine Sexualität, sondern auch seine Ängste und Sorgen habe er tief in sich vergraben: „Es gab nie die Möglichkeit, offen über Gefühle oder Fragen zu sprechen – geschweige denn in einem sicheren Umfeld.“
Sein Coming-out versteht Brown nicht als persönliche Heldentat. „Ich glaube nicht, dass es hier um mich geht“, sagte Brown.
„Es geht überhaupt nicht darum, dass Mitch Brown der Erste ist. Für mich geht es darum, meine Erfahrungen zu teilen, damit sich andere gesehen fühlen können.“
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Ein Türöffner für andere
Browns Coming-out wurde von queeren Organisationen wie auch von Clubs und Funktionären der AFL gleichermaßen begrüßt. Die australische LGBTIQ*-Organisation Health Equity Matters sprach von „Stärke und Ehrlichkeit“. Geschäftsführer Dash Heath-Paynter erklärte: „In über einem Jahrhundert AFL-Wettbewerben hat sich kein männlicher Spieler offen als bisexuell oder schwul geoutet.“
„Mitchs Bekanntgabe durchbricht das jahrzehntelange Schweigen und öffnet die Tür für andere, die sich möglicherweise auf ihrer eigenen Reise befinden.“ Er fügte hinzu: „Die AFL muss gründlich darüber nachdenken, welche Maßnahmen erforderlich sind, um den Sport für Spieler, Funktionäre und Freiwillige sicher und inklusiv zu gestalten.“
Die Spielergewerkschaft der AFL hatte nach der Sperre des Adelaide-Spielers Rankine ein „effektiveres und geeinteres Vorgehen“ gegen Homophobie gefordert. Der Dachverband AFL räumte ein, dass noch mehr getan werden müsse, um das Problem anzugehen, ohne jedoch konkret zu werden. AFL-Chef Andrew Dillon lobte Browns „großen Mut“. Es sei „ein wichtiger Moment für ihn – und für unser gesamtes Spiel“.
Browns ehemaliger Verein, die West Coast Eagles, nannte seinen Schritt „mutig“ und erklärte:
„Seine Ehrlichkeit über seine Erfahrungen erinnert uns daran, dass wir alle daran arbeiten müssen, wirklich inklusive und einladende Räume innerhalb unseres Sports im ganzen Land zu schaffen. Danke Mitch – wir sind unglaublich stolz, dich als einen der Unseren bezeichnen zu dürfen.“
*AFP/sah