Die niederländische Regierung stellt in den kommenden drei Jahren zusätzlich 22,9 Millionen Euro für die Sicherheit von LGBTIQ*s bereit. Das Geld soll unter anderem in Akzeptanzarbeit und den Kampf gegen Diskriminierung und Desinformation fließen.
Die Niederlande verstärken ihre Maßnahmen zum Schutz von LGBTIQ*s. Das Kabinett von Ministerpräsident Rob Jetten will in den kommenden drei Jahren insgesamt 22,9 Millionen Euro zusätzlich investieren. Rechnerisch sind das gut 7,6 Millionen Euro pro Jahr.
Parallel erhöht die Regierung auch die Mittel zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Dafür stehen jährlich zusätzlich 13,4 Millionen Euro zur Verfügung. Die Investitionen sind Teil eines größeren Maßnahmenpakets des Bildungs-, Kultur- und Wissenschaftsministeriums.
Akzeptanz, psychische Gesundheit und Desinformation
Die Regierung nennt bereits mehrere Bereiche, in die das zusätzliche Geld fließen soll. So will sie die Akzeptanz von LGBTIQ*s insbesondere unter Jugendlichen fördern. Zudem sollen psychische Belastungen von LGBTIQ*s stärker thematisiert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Kampagnen gegen Diskriminierung und Desinformation. Wie die einzelnen Maßnahmen konkret aussehen und wie die 22,9 Millionen Euro verteilt werden, steht allerdings noch nicht fest. Ausgearbeitete Pläne sollen im Laufe des Jahres folgen.
Das Programm fällt in die Amtszeit von Rob Jetten. Der D66-Politiker wurde am 23. Februar 2026 als niederländischer Ministerpräsident vereidigt. Jetten selbst ist offen schwul. Die zusätzlichen Mittel sollten dennoch nicht als persönlicher „LGBTIQ*-Fonds“ des Regierungschefs dargestellt werden: Die offizielle Mitteilung schreibt die Entscheidung ausdrücklich dem Kabinett zu.
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Rob Jetten
Mehr Geld gegen Diskriminierung und Desinformation: Die Niederlande investieren in den kommenden zusätzlich in die Sicherheit von LGBTIQ*s.
Fast jeder dritte Polizeifall betrifft sexuelle Orientierung
Wie relevant die zusätzlichen Investitionen für LGBTIQ*s sind, zeigen aktuelle Zahlen der niederländischen Polizei. Sie registrierte 2025 insgesamt 10.748 Vorfälle mit Diskriminierungsbezug – zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. In 3.067 Fällen ging es um sexuelle Orientierung. Das entspricht 29 Prozent aller registrierten Vorfälle und macht sexuelle Orientierung nach Herkunft zum zweithäufigsten erfassten Diskriminierungsgrund.
Auch transfeindliche Vorfälle tauchen in der Statistik auf. Von 120 Polizeiregistrierungen aufgrund des Geschlechts richteten sich laut Jahresbericht 77 Prozent gegen trans* Personen. Die tatsächliche Dimension dürfte allerdings erheblich größer sein: Die Autor*innen des Berichts betonen ausdrücklich, dass die Statistik nur bekannt gewordene Vorfälle abbildet und keine Aussage über das gesamte Ausmaß von Diskriminierung erlaubt.
Blick nach Deutschland
Ein direkter Vergleich mit Deutschland ist schwierig. Die Bundesregierung bündelt die Förderung gegen LGBTIQ*-Feindlichkeit nicht in einem vergleichbaren, ausschließlich für die Sicherheit von LGBTIQ*s bestimmten Millionenprogramm. Maßnahmen gegen LGBTIQ*-Feindlichkeit werden unter anderem über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert, das zugleich zahlreiche weitere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Extremismus adressiert.
Politisch zeigt sich derzeit zudem ein deutlicher Unterschied: Ende Juni lehnte der Bundestag drei Oppositionsanträge zum Schutz queeren Lebens ab. Darunter waren Forderungen nach einem stärkeren Vorgehen gegen queerfeindliche Hasskriminalität und nach besserem Schutz von Christopher-Street-Day-Veranstaltungen. CDU/CSU, AfD und SPD stimmten gegen die Anträge.
Die Niederlande setzen mit den zusätzlichen 22,9 Millionen Euro dagegen zunächst ein deutliches finanzielles Signal. Wie viel davon tatsächlich bei Beratungsstellen, Kampagnen und anderen konkreten Maßnahmen ankommt, wird sich zeigen, wenn die Regierung ihre Detailpläne vorlegt.