Am vergangenen Wochenende versammelten sich rund 300.000 Menschen in der Innenstadt von Sydney, um die 48. Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras Parade zu feiern. Unter dem Motto „Ecstatica“ knackte das Event erneut Rekordmarken und versetzte die Oxford Street in einen Ausnahmezustand.
Was ist der Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras?
Der Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras ist eine jährlich stattfindende Demonstration für die Rechte von LGBTIQ*-Personen. Die Veranstaltung geht auf den 24. Juni 1978 zurück, als eine Gruppe von Aktivisten, die sogenannten „78ers“, gegen die Kriminalisierung von Homosexualität protestierte. Dieser Marsch endete mit gewaltsamen Polizeieinsätzen und Massenverhaftungen, markierte aber den Beginn einer organisierten Bürgerrechtsbewegung in Australien. Mittlerweile hat sich das Event zu einem mehrwöchigen Festival entwickelt, das einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für Sydney darstellt. Den Abschluss bildet die große Parade über die Oxford Street.
Foto: AFP/ Michael Democker
Ein Rekord-Wochenende in Zahlen
Trotz eines bewölkten Himmels strömten die Massen am vergangenen Wochenende in die Innenstadt, um Teil dieses Spektakels zu sein. Schätzungsweise 250.000 bis 300.000 Zuschauer*innen säumten die Route vom Hyde Park bis zum Moore Park. Über 10.000 Marschierende, darunter zahlreiche Sportvereine, First Nations Gruppen und Gewerkschaften, verliehen der Parade ihr Gesicht. Mehr als 170 aufwendig gestaltete Wagen rollten über die Oxford Street, während ein Großaufgebot der Polizei im Rahmen der „Operation Mardi Gras 2026“ das Event sicherte.
Welterbe-Status für die Oxford Street
Ein besonderer Gänsehaut-Moment begleitete die diesjährige Parade, da die traditionelle Route über die Oxford Street nur zwei Tage vor dem Event offiziell in die National Heritage List Australiens aufgenommen wurde. Damit steht sie nun auf einer Stufe mit nationalen Wahrzeichen wie dem Sydney Opera House. Diese feierliche Anerkennung würdigt die Straße als Geburtsort der modernen LGBTIQ*-Rechte in Australien und ehrt das Erbe der „78ers“. Es war eine spürbare Genugtuung für die Veteranen, dass ihr einstiger Schauplatz des Widerstands nun als schützenswertes Kulturgut gilt.
Foto: AFP/ Michael Democker
Die Highlights
Wie in jedem Jahr eröffneten die „Dykes on Bikes“ unter dröhnenden Motoren die Parade, dicht gefolgt von den First Nations Communities und den Veteranen von 1978. Ein emotionaler Höhepunkt war der Tribute-Wagen für die beliebte Schauspielerin Magda Szubanski, die kürzlich bekannt gab, dass ihr Krebs in Remission ist. Auch die kreativen Botschaften kamen nicht zu kurz: Vom „Neurodivergent Rainbow“-Wagen bis hin zu innovativer, nachhaltiger Mode aus Upcycling-Materialien zeigte sich die Vielfalt der Community so modern und präsent wie nie zuvor.
*Quellen: Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras Official (mardigras.org.au), Australian Department of Climate Change, Energy, the Environment and Water (National Heritage Listing), ABC News Australia, The Guardian Australia, NSW Police Force (Media Release).