Die amerikanische Basketballliga WNBA feiert 2026 ihre 30. Saison – und kaum eine große Profiliga steht heute so sehr für queere Sichtbarkeit. Was 1997 noch von Vorsicht, Schweigen und der Angst vor dem Klischee einer „Lesbenliga“ geprägt war, ist heute ein sportliches und kulturelles Phänomen: Stars wie Brittney Griner, Sue Bird, Diana Taurasi oder Breanna Stewart leben offen homosexuell, gründen Familien, küssen ihre Ehefrauen nach Spielen und machen queeres Leben in der Liga sichtbar. Wie wurde aus einer Liga, in der viele Spielerinnen ihr Privatleben lieber verbargen, die wohl queer sichtbarste Profiliga der Welt?
Was heute selbstverständlich wirkt, war lange undenkbar: Spielerinnen küssen ihre Partnerinnen nach dem Finalsieg, posten Familienfotos mit ihren Kindern oder engagieren sich offen für LGBTIQ*-Rechte. Kaum eine andere Profiliga ist heute so sichtbar queer wie die Women's National Basketball Association (WNBA).
Dabei begann ihre Geschichte ganz anders. Als die WNBA 1997 gegründet wurde, wollte sich die Liga vor allem als familienfreundliches Sportprodukt vermarkten. Viele Verantwortliche fürchteten, das Klischee einer „Lesbenliga“ könnte Zuschauer*innen und Sponsoren abschrecken. Spielerinnen wurde zwar selten ausdrücklich verboten, offen über ihre sexuelle Orientierung zu sprechen – doch viele spürten, dass Diskretion erwartet wurde. Es galt die unausgesprochene Regel: Basketball ja – Privatleben lieber nicht. Beziehungen zu Frauen wurden verschwiegen, aus Angst vor Sponsoren, Medienreaktionen und dem alten Klischee von der „Lesbenliga“.
Knapp drei Jahrzehnte später gilt die WNBA als die queerste große Profiliga der Welt. Wie konnte ausgerechnet aus der einstigen ‚Liga des Schweigens‘ ein internationales Symbol queerer Sichtbarkeit werden?
Die ersten mutigen Schritte
Foto: Bruce Bennett/Getty Images North America/Getty Images via AFP
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Sue Wicks (Mitte) verfolgt im Oktober 2023 ein Finalspiel der WNBA zwischen New York Liberty und Las Vegas Aces in Brooklyn. Die frühere Liberty-Spielerin Wicks gehörte zu den frühen offen lesbischen Profis der Liga.
Zu den Ersten, die diesen stillschweigenden Konsens durchbrachen, gehörte Sue Wicks. Die Backup-Centerin der New York Liberty beantwortete 2002 in einem Interview mit Time Out New York eine Frage zu ihrer sexuellen Orientierung und wurde damit fünf Jahre nach dem Ligastart im Juni 1997 zur ersten offen queeren aktiven WNBA-Spielerin. Sie berichtete später, viele Kolleginnen hätten große Angst gehabt, ihre Karriere könne durch ein Outing Schaden nehmen.
Den eigentlichen Wendepunkt markierte jedoch das Jahr 2005. Mit Sheryl Swoopes bekannte sich erstmals einer der größten Stars der Liga öffentlich zu ihrer Beziehung mit einer Frau. Swoopes war dreifache MVP, Olympiasiegerin und die erste Basketballspielerin überhaupt, nach der Nike einen eigenen Schuh benannt hatte.
„Ich hatte es satt, meine Gefühle zu verstecken“, erklärte sie damals. Ihr Coming-out machte weltweit Schlagzeilen – nicht, weil Homosexualität im Frauenbasketball völlig unbekannt gewesen wäre, sondern weil sich erstmals eine der bekanntesten Sportlerinnen des Landes öffentlich bekannte.
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Vom Risiko zur Normalität
In den folgenden Jahren veränderte sich die Liga grundlegend. Immer mehr Spielerinnen entschieden sich, offen über ihr Privatleben zu sprechen. Besonders sichtbar wurde dieser Wandel mit Brittney Griner, die bereits vor ihrem WNBA-Debüt 2013 offen über ihre sexuelle Orientierung sprach.
Weltweit bekannt wurde Griner später auch durch ihre monatelange Inhaftierung in Russland: 2022 wurde sie an einem Moskauer Flughafen wegen Cannabisöl im Gepäck festgenommen, zu neun Jahren Haft verurteilt und im Dezember desselben Jahres im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freigelassen (männer* berichtete). Ihre Rückkehr machte sie endgültig zu einer internationalen Symbolfigur – nicht nur für Frauenbasketball, sondern auch für queere Sichtbarkeit, Verletzlichkeit und politische Öffentlichkeit.
Foto: Kevin C. Cox / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP
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Brittney Griner bei einem WNBA-Spiel zwischen Atlanta Dream und Connecticut Sun im Juni 2026. Die US-Basketballerin zählt zu den bekanntesten queeren Stars der Liga.
Es folgten weitere prominente Namen wie Sue Bird, Diana Taurasi, Elena Delle Donne, Breanna Stewart oder Natasha Cloud. Heute gehören gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Hochzeiten und Familien mit Kindern ganz selbstverständlich zum öffentlichen Bild der Liga.
Die erste Profiliga mit Pride-Kampagne
Auch die WNBA selbst änderte ihren Kurs: 2001 richteten die Los Angeles Sparks den ersten Pride-Abend einer nordamerikanischen Profiliga aus, 2014 folgte als erste große US-Liga eine ligaweite Pride-Kampagne – Jahre vor vergleichbaren Initiativen in den Männerligen (The Guardian). Parallel engagierten sich Spielerinnen zunehmend gesellschaftlich, von LGBTIQ*-Rechten bis Gleichberechtigung – ein Selbstverständnis, das die Liga bis heute prägt.
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Warum gerade die WNBA?
Der Frauenbasketball bot lesbischen und bisexuellen Athletinnen schon früh einen vergleichsweise geschützten Raum, um den sich zudem eine treue, queere Fan-Community bildete. Soziale Medien verstärkten diesen Wandel: Spielerinnen konnten ihre Geschichten selbst erzählen, unabhängig von klassischen Medien – Beziehungen, Familien und Hochzeiten wurden sichtbar, ohne Skandale auszulösen.
Ein Vorbild – auch für den Männersport
Während offen queere Spitzensportler in Männerligen bis heute die Ausnahme sind, gehört Vielfalt in der WNBA längst zum Alltag. Aus einer Liga, in der Spielerinnen ihre Identität einst verbargen, ist innerhalb von drei Jahrzehnten eines der sichtbarsten Symbole queerer Sichtbarkeit im Profisport geworden.
Der Kontrast bleibt deutlich: Unter den mehreren Tausend Kaderspielern von NFL, NBA, NHL, MLB und MLS gibt es laut Outsports aktuell keinen einzigen offen schwulen oder bisexuellen aktiven Profi. Carl Nassib, 2021 erster offen schwuler NFL-Spieler, hat seine Karriere beendet; der bislang einzige offen schwule NHL-Vertragsspieler wartet weiterhin auf sein Debüt.