Illustration: KI erstellt
Nach mehr als vier Jahrzehnten will der US-Bundesstaat New York das Verbot von Schwulen-Badehäusern und Erwachsenen-Saunen abschaffen. Der New Yorker Senator Erik Bottcher und der Abgeordnete Tony Simone (beide Demokraten) haben dafür den sogenannten „Public Health Modernization Act“ in das Parlament eingebracht. Das Gesetz soll das pauschale Verbot aus der Hochphase der AIDS-Krise aufheben und durch ein modernes, gesundheitsbehördliches Lizenzsystem ersetzen.
Wissenschaft statt Notfallpanik von 1985
Das Verbot geht auf das Jahr 1985 zurück. Als die HIV/AIDS-Epidemie New York traf und Medizinern noch genaue Erkenntnisse über Übertragungswege sowie wirksame Medikamente fehlten, verhängte der Bundesstaat Notfallregeln. 1986 nutzte die Stadt New York City diese Vorgaben, um die Badehauseinrichtungen, damals zentrale soziale Treffpunkte insbesondere der homosexuellen Community, komplett zu schließen. Senator Erik Bottcher betont, dass sich der medizinische Wissensstand seit den 1980er-Jahren grundlegend verändert hat:
„Die Wissenschaft hat sich verändert. Die Prävention hat sich verändert. Unsere Gesetze müssen Schritt halten, wenn sich die Fakten vor Ort ändern. Diese Beschränkungen wurden während eines außergewöhnlichen öffentlichen Gesundheitsnotstands erlassen – aber Notfallmaßnahmen dürfen nicht automatisch zu dauerhafter Politik werden.“ — Erik Bottcher, Senator im Staat New York (The Advocate, 6. August 2026)
Mit dem Durchbruch von PrEP (Prophylaxe-Medikamenten), antiretroviralen Therapien (die bei erfolgreicher Behandlung eine Übertragung verhindern) und flächendeckenden Schnelltests basiert das Verbot von 1985 laut den Initiatoren auf überholten Voraussetzungen.
Regulierung statt Verdrängung
Der Gesetzentwurf verpflichtet das New York State Department of Health (Gesundheitsministerium des Bundesstaates), innerhalb von 180 Tagen verbindliche Standards für den Betrieb, die Hygiene und die Lizenzierung solcher Einrichtungen zu erarbeiten. Gesundheitsexperten unterstützen die Initiative: In lizenzierten Betrieben können Behörden und Organisationen direkt vor Ort STI- und HIV-Schnelltests anbieten, Kondome verteilen und Beratung bereitstellen. Staatlich beaufsichtigte Räume ermöglichen regelmäßige Inspektionen und klare Hygienestandards, statt sexuelle Kontakte in unregulierte Räume zu verdrängen.
New York zieht gegenüber anderen US-Metropolen nach
In den USA gilt New York mit seinem Verbot mittlerweile als Sonderfall. Andere US-Städte haben veraltete Regelungen aus den 1980er-Jahren längst überarbeitet: Minneapolis hob sein 38-jähriges Badehaus-Verbot Anfang 2026 auf. San Francisco erlaubt den Betrieb hingegen seit Längerem unter klaren behördlichen Auflagen.
„New York ist unter den Großstädten einzigartig, da es diese Einrichtungen nicht zulässt. Das macht einfach keinen Sinn mehr. [...] Es geht darum anzuerkennen, dass unsere Gesundheitspolitik auf der heutigen Wissenschaft basieren sollte und nicht auf den Ängsten von gestern.“ — Erik Bottcher
*Quellen: Gesetzesinitiative: Public Health Modernization Act (vorgelegt von Sen. Erik Bottcher & Assemblymember Tony Simone, New York State Legislature); The Advocate