Fotos: @pfpicardi
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Jahrzehntelang verkörperte kaum eine US-amerikanische Marke die heterosexuelle Männerfantasie so wie der Playboy. Nun steht das Magazin vor einem fundamentalen Wandel, denn seit Frühjahr 2026 wird das legendäre Hasen-Imperium von einem schwulen Mann geführt. Mit der Verpflichtung von Phillip Picardi als Chefredakteur und Chief Brand Officer vollzieht das Medienhaus einen überraschenden Schritt, um die Marke für ein Zeitalter neu zu definieren, in dem niemand mehr ein gedrucktes Heft kaufen muss, um Nacktheit zu sehen.
Phillip Picardi: Von Teen Vogue zu Hugh Hefners Erbe
Phillip Picardi bringt für diese ungewöhnliche Aufgabe eine beeindruckende Mediengeschichte mit. Der im konservativ-katholischen Umfeld in Massachusetts aufgewachsene Journalist prägte bereits die digitale Transformation der Teen Vogue, gründete für den Verlag Condé Nast das queer-fokussierte Magazin them und leitete später die Redaktion des renommierten LGBTIQ*-Magazins Out. Anstatt den Playboy aber in ein rein queeres Format zu verwandeln, setzt Picardi darauf, den Blickwinkel des Hefts zu erweitern. Frauen bleiben weiterhin im Zentrum der Marke, aber die Fragen nach Lust, Identität und Sexualität werden nun für ein deutlich breiteres Publikum aufbereitet.
Popstars, lesbische Ikonen und Tabuthemen
Die Neuausrichtung spiegelt sich bereits in den Ausgaben des Jahres 2026 wider. Unter Picardis Regie feierte das Heft im Frühjahr 2026 mit der kolumbianischen Sängerin Karol G auf dem Cover seinen Einstand und widmete sich komplexen gesellschaftlichen Themen wie der sogenannten Sex-Rezession, männlicher Einsamkeit sowie dem Einfluss künstlicher Intelligenz auf menschliche Intimität. Im Sommer folgte mit Cara Delevingne ein weiterer Meilenstein: Das britische Model war die erste offen lesbische Frau auf dem Print-Cover des Magazins und zugleich das erste Supermodel seit Kate Moss im Jahr 2014, das im ikonischen Bunny-Kostüm abgebildet wurde.
Ende des alten Playboy-Klischees: Kulturmagazin statt Erotikheft
Der Wechsel an der Redaktionsspitze verdeutlicht, wie sehr sich die Vorstellungen von Männlichkeit und Erotik seit der Gründung durch Hugh Hefner im Jahr 1953 verändert haben. Nach der vorübergehenden Einstellung der gedruckten US-Ausgabe im Jahr 2020 und der Rückkehr zum Printformat im Jahr 2025 geht es Picardis Führung nicht darum, gegen das unbegrenzte Angebot digitaler Pornografie anzutreten. Stattdessen nutzt er die klassische Ikonografie der Marke, um den Playboy als intellektuelles und provokantes Kulturmagazin zu etablieren, das die verspielte Leichtigkeit vergangener Jahrzehnte mit den drängenden Beziehungsfragen der Gegenwart verbindet.
*Quellen: The Times UK, Fast Company, Instinct Magazine / Out.com, Men’s Journal, Playboy Official