Nach fast 50 Jahren erscheint am 8. Dezember die letzte Emma. Am Geld liegt es nicht, sagt Alice Schwarzer, die Einnahmen deckten die Ausgaben noch. Man sei schlicht „ermattet“. In ihrer Abschiedserklärung lobt sie ihr Blatt dafür, auch „gegen so manchen Unsinn im Namen des Feminismus“ Position bezogen zu haben. Wer die Emma der vergangenen Jahre gelesen hat, weiß, wer gemeint ist.
Was von 1971 bleibt
Foto: Johannes Eisele | AFP
GERMANY-FEMISNISM-SCHWARZER
Alice Schwarzer, 2013
Das Verdienst ist echt, und es gehört an den Anfang jeder Bilanz:1971 brachte Schwarzer 374 Frauen dazu, sich im stern öffentlich der Abtreibung zu bezichtigen, der Startschuss der Neuen Frauenbewegung.
Und es war die Emma, die durchsetzte, dass das Berliner Denkmal für die homosexuellen NS-Opfer auch lesbische Frauen zeigt.
Doch schon PorNO, ab 1987, zeigte die Kehrseite, und der Kampf für ein Sexkaufverbot setzte sie fort: ein Feminismus, der Frauen vor Sexualität schützen will, statt Sexualität für Frauen zu erkämpfen. Sexarbeiter*innen erklärt er zu Opfern, ob sie wollen oder nicht. Von dort ist der Weg kürzer, als er aussieht. 2021 titelte die Emma „Den Trans-Train stoppen!“. 2022 sprach sie der Bundestagsabgeordneten Tessa Ganserer ab, eine Frau zu sein. Schwarzer warnte vor einem vor einem jugendlichen „Modetrend“ und gehörte zu den lautesten Stimmen gegen das Selbstbestimmungsgesetz. Anfang 2026 sah ein Emma-Dossier hinter der Ergänzung von Artikel 3 GG gar Pädosexuelle in den Startlöchern.
Schwarzer selbst sagt, sie habe trans* Menschen nie angegriffen, sie kritisiere nur eine „Transideologie“. Den besten Punkt dafür hat sie bei den Pubertätsblockern: Die Studienlage ist tatsächlich dünn, wir haben das selbst beschrieben. Daraus folgt aber die Forderung nach Registern und Studien, nicht der Spott über eine Minderheit, deren Jugendliche ein fast sechsfach erhöhtes Risiko für Suizidversuche tragen.
Das Private ist politisch
Foto: Patrik Stollarz |AFP
Düsseldorf, Rosenmontag 2014.
Der Satz stammt aus ihrer Generation, an ihr selbst wird er bitter. 2011 beschrieb sich Schwarzer in ihren Memoiren als bisexuell. Die Beziehung mit der Fotografin Bettina Flitner, gelebt seit den 1980er-Jahren, machte sie erst mit der Hochzeit 2018 öffentlich. Das ist ihr gutes Recht. Es ist nur ein Recht, das sie anderen nicht gewährt hat: Während sie das eigene Leben jahrzehntelang abschirmte, verhandelte ihr Blatt die Körper, Papiere und abgelegten Namen von trans* Frauen in aller Öffentlichkeit.
Privatsphäre für sich, Beweispflicht für die anderen.
Für alle Frauen
„Es wird auf die eine oder andere Art weitergehen“, verspricht Schwarzer. Das Heft endet, die Agitation nicht. Die Kittel-Kundgebungen gegen die Behandlung von trans* Jugendlichen zogen von Münster über Berlin bis an den Jungfernstieg, die Emma stand ihnen publizistisch zur Seite.
Wir bei männer* verstehen uns als Feminist*innen, und zwar für alle Frauen. Das ist der kleine Unterschied. Das Archiv der Emma geht nach Marbach. Offen ist, ob der Feminismus nach ihr die Türen des Patriarchats weiter öffnet oder sie weiter bewacht, so wie sie es in puncto sexuelle und geschlechtliche Freiheit getan hat.
Hilfe und Beratung: Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 1110111, 0800 1110222 und 116 123.