Foto: @pascalkaiser98
Pascal Kaiser
Nach dem öffentlich gefeierten Heiratsantrag im Fußballstadion ist der Amateur-Schiedsrichter Pascal Kaiser wenige Tage später Opfer eines gewalttätigen Angriffs geworden. Die Polizei ermittelt. Nun hat sich auch die Queerbeauftragte der Bundesregierung Sophie Koch eingeschaltet.
In mehreren Statements auf Instagram verurteilte Koch die Tat scharf und sprach von einer offensichtlich queerfeindlichen Gewalttat. „Aus hässlichen Worten werden noch hässlichere Taten“, schrieb Koch. Die Gegner einer offenen Gesellschaft wollten queere Menschen „mundtot machen“ und ihnen „ihre Rechte und ihre körperliche Unversehrtheit nehmen“. Gewalt und Einschüchterung seien ein direkter Angriff auf Freiheit und Demokratie.
Hintergrund: Ein viraler Moment
Kaiser hatte am 30. Januar bundesweite Schlagzeilen gemacht, als er seinem Partner während eines Fußballspiels im RheinEnergieStadion einen Heiratsantrag machte. Rund 50.000 Zuschauer*innen verfolgten die Szene live im Stadion (wir berichteten). Videos des Moments verbreiteten sich rasch in sozialen Netzwerken und internationalen Medien. Mit der großen medialen Reichweite gingen allerdings nicht nur positive Reaktionen einher. Nach übereinstimmenden Medienberichten erhielt Kaiser in den Tagen nach dem Antrag zahlreiche beleidigende Nachrichten und Drohungen. In einzelnen Fällen sollen dabei auch Hinweise auf seinen privaten Wohnort enthalten gewesen sein. Die Anfeindungen nahmen offenbar ein Ausmaß an, das bereits vor dem späteren Angriff Sorgen um seine persönliche Sicherheit auslöste.
Foto: @pascalkaiser98
Pascal und Moritz in der LANXESS Arena
Angriff im eigenen Zuhause
Am 7. Februar 2026 informierte Kaiser nach eigenen Angaben die Polizei über die erhaltenen Drohungen. Laut Medienberichten habe er darauf hingewiesen, dass ihm seine Adresse zugeschickt worden sei. Die Polizei habe ihm demnach mitgeteilt, dass keine unmittelbare Gefahr bestehe. Eine öffentliche Stellungnahme der Polizei zu diesem frühen Kontakt liegt bislang nicht vor. In der Nacht zum Sonntag, dem 8. Februar 2026, kam es schließlich zu dem Angriff. Kaiser wurde in seinem eigenen Garten von drei unbekannten Männern angegriffen. Der Vorfall soll sich kurz nach dem vorherigen Kontakt mit der Polizei ereignet haben, als Kaiser sich draußen aufhielt. Er erlitt Verletzungen im Gesichtsbereich, unter anderem ein deutlich sichtbares Hämatom am Auge. Kaiser wurde medizinisch versorgt und verständigte anschließend erneut die Polizei. Ein Foto seiner Verletzungen veröffentlichte er später selbst über seinen Instagram-Account.
Neue Vorwürfe gegen Barbetreiber
Im Zuge der Berichterstattung erhob der Rechtsanwalt von Pascal Kaiser, Moritz Lange, schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Beerpongbar Köln. Laut Lange seien ihm Screenshots zugeschickt worden, aus denen sich „verlässliche Anhaltspunkte“ ergäben, dass über Kanäle der Bar die private Wohnadresse seines Mandanten öffentlich verbreitet und dazu aufgerufen worden sei, ihm „einen Besuch abzustatten“.Hintergrund ist ein bereits länger andauernder Konflikt: Der Betreiber der Bar hatte Kaiser im Jahr 2024 angezeigt und wirft ihm vor, während seiner damaligen Tätigkeit Wechselgeld aus der Kasse entnommen und Umsätze unterschlagen zu haben. Nach Angaben des Anwalts geht es um Forderungen in Höhe von 5.000 bis 6.000 Euro. Ein rechtskräftiger Abschluss in dieser Angelegenheit liegt bislang nicht vor. Dass Kaiser in diesem Zusammenhang zeitweise als „gesucht“ bezeichnet wurde, beruhte auf einer zunächst missverständlich kommunizierten und später korrigierten Behördenauskunft. In der weiteren Berichterstattung wurde dies verkürzt übernommen; ein Zusammenhang mit dem Angriff ist nicht belegt (wir berichteten). Der Barbetreiber wies die neuen Vorwürfe gegenüber Medien zurück. Man habe zu keinem Zeitpunkt zu Gewalt aufgerufen oder dazu aufgefordert, Kaiser aufzusuchen. Ziel sei lediglich eine faire Klärung offener finanzieller Forderungen. Ob und in welchem Umfang die mutmaßliche Verbreitung der Adresse strafrechtlich relevant ist und ob ein Zusammenhang mit dem Angriff besteht, ist derzeit Gegenstand laufender Ermittlungen.
Sophie Koch ordnet ein
In ihrem Statement schrieb die Queerbeauftragte: „Am vergangenen Wochenende wurde er in seinem Zuhause Opfer einer offensichtlich queerfeindlichen Gewalttat. Ihr waren eindeutige Drohungen vorausgegangen.“ Koch erklärte zudem, sie habe persönlich mit Kaiser gesprochen und ihm ihre Solidarität zugesichert. „Pascal wurde Opfer feiger und menschenverachtender Gewalt“, schrieb sie weiter und forderte, dass die Täter schnell ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden. Zugleich richtete sie einen Appell an Politik, Gesellschaft, Sport und Zivilgesellschaft, sich Hass und Gewalt entschieden entgegenzustellen. „Wir werden uns vom Hass unserer Feinde nicht unterkriegen lassen“, so Koch.
Ermittlungen der Polizei Köln
Die Polizei bestätigte den Vorfall und leitete Ermittlungen ein. Zuständig ist nach derzeitiger Kenntnis das Polizeipräsidium Köln. Zu möglichen Tatverdächtigen, einem konkreten Tatmotiv oder dem Stand der Ermittlungen äußerten sich die Behörden bislang nicht öffentlich. Eine offizielle Pressemitteilung der Polizei oder der Staatsanwaltschaft liegt weiterhin nicht vor.
*Quellen: L’Équipe, Instagram @queerbeauftragte, @pascalkaiser98, Bild