Foto: Annegret Hilse/AFP
Die deutsche Familienministerin Karin Prien legt am 26. Juli 2026 am Ort des Geschehens im Berliner Tiergarten einen Blumenstrauß neben die anderen nieder, darunter auch die von der deutschen Bundeskanzlerin und dem deutschen Innenminister.
Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD versicherte die Bundesregierung der queeren Community medienwirksam ihre volle Unterstützung. Aber nur wenige Tage nach diesen Solidaritätsbekundungen sendet das von Karin Prien (CDU) geführte Familienministerium ein widersprüchliches Signal: Dem Christopher Street Day (CSD) im brandenburgischen Rathenow wurden kurzfristig die staatlichen Fördermittel gestrichen.
Förderstopp kurz vor der Veranstaltung
Am 12. September 2026 soll in Rathenow der lokale CSD stattfinden. Das Event gilt als die einzige große öffentliche Demokratieveranstaltung in der Stadt und als essenzielles Signal für queere Sichtbarkeit im ländlichen Raum. In den vergangenen Jahren wurde die Veranstaltung zuverlässig über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“, das dem Familienministerium untersteht, mitfinanziert. Aber damit ist nun Schluss. Dem Cheforganisator Dennis Driebusch wurde kurzfristig mitgeteilt, dass die Gelder gestrichen seien. Die offizielle Begründung aus dem Ministerium: Reine Demonstrationen könnten in diesem Jahr offenbar nicht mehr über dieses spezifische Programm gefördert werden.
Kritik an der Doppelmoral
Das Timing der Absage sorgt politisch für Aufregung. Vor allem aus den Reihen der Grünen wird der Regierung Merz und Familienministerin Karin Prien (CDU) Heuchelei vorgeworfen. So betonte die queerpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nyke Slawik, dass Solidaritätsbekundungen nach Terroranschlägen wertlos seien, wenn der queeren Community gleichzeitig die finanzielle Basis für Schutz- und Sichtbarkeitsräume wie in Rathenow entzogen werde. Auch aus der Zivilgesellschaft kommt scharfe Kritik: Das Netzwerk Tolerantes Sachsen erklärte in Abstimmung mit der Amadeu Antonio Stiftung auf Social Media, queere Sichtbarkeit werde von der Ministerin offenbar nur dann gutgeheißen, „wenn es in den eigenen Kulturkampf reinpasst“.
Die fehlenden Mittel treffen die Organisatoren in Rathenow hart. Gerade aufgrund der aktuellen Sicherheitslage nach den Ereignissen in Berlin ist die Sorge vor Ort groß. Die nun gestrichenen Bundesmittel wären dringend für grundlegende Sicherheitsmaßnahmen, wie Funkgeräte und professionelles Sicherheitspersonal, benötigt worden.
Eine politische Strategie?
Für Beobachter kommt der Förderstopp nicht völlig überraschend. Bereits im Frühjahr 2026 hatte Karin Prien für Schlagzeilen gesorgt, als sie erklärte, dass die Förderung von Vielfalt aus ihrer Sicht „kein staatliches Förderziel“ sei. Der Fall Rathenow reiht sich damit in eine Serie von Kürzungen ein, von denen zuletzt auch andere queere Initiativen, wie das Jugendnetzwerk Lambda, betroffen waren. Das Organisationsteam in Rathenow zeigt sich derweil kämpferisch. Trotz des fehlenden Geldes aus Berlin soll der CSD am 12. September auf jeden Fall stattfinden.
*Quellen: Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), Deutschlandfunk Kultur, Hasepost / Berlin Story News, Netzwerk Tolerantes Sachsen & Amadeu Antonio Stiftung, Bündnis 90/Die Grünen (Nyke Slawik), Kinder- und Jugendparlament Rathenow (KiJuPa)