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Eine internationale Studie mit über 400 000 Teilnehmenden, an der auch das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik beteiligt war, zeigt erstmals im Detail, welche Faktoren mit lebenslanger Sexlosigkeit zusammenhängen. Nur etwa ein Prozent der Befragten zwischen 39 und 73 Jahren gab an, nie Geschlechtsverkehr gehabt zu haben – ihre Lebensrealität unterscheidet sich allerdings in vielerlei Hinsicht von der Mehrheit.
Menschen ohne sexuelle Erfahrung sind im Durchschnitt besser gebildet und greifen seltener zu Alkohol oder Drogen. Auffällig ist auch, dass sie in der Jugend häufiger eine Brille trugen – ein möglicher Hinweis auf neurokognitive Unterschiede. Gleichzeitig berichten sie über mehr Nervosität, Einsamkeit und geringeres Wohlbefinden.
Bei Männern zeigen sich zusätzlich körperliche Faktoren: Sie sind im Schnitt weniger kräftig und leben häufiger in Regionen mit einem geringen Frauenanteil. Auch die regionale Ungleichheit spielt eine Rolle – in Gebieten mit großen sozialen Disparitäten tritt lebenslange Sexlosigkeit häufiger auf.
Genetische Einflüsse
Rund 15 % der Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne sexuelle Erfahrung lassen sich genetisch erklären, etwa durch Faktoren wie Intelligenz oder neurologische Entwicklung. Die Mehrheit der Befunde verweist aber auf soziale, psychologische und ökologische Einflüsse. Sexlosigkeit ist damit kein rein genetisch bedingtes Phänomen, sondern Ergebnis komplexer Wechselwirkungen.
Freiwillig oder unfreiwillig?
Die Studie macht keinen Unterschied zwischen Menschen, die bewusst ohne Sex leben, und jenen, die ungewollt keine Erfahrungen machen. Asexualität als Orientierung wird ebenso wenig gesondert erfasst. Damit bleibt unklar, welche Befunde Ausdruck selbstbestimmter Lebensentwürfe sind – und welche eher Belastung.
Die Untersuchung liefert eine erste Landkarte zu den Merkmalen lebenslanger Sexlosigkeit, aber sie beantwortet nicht, was Ursache und was Folge ist. Führt fehlender Sex zu Unzufriedenheit, oder prägen bestimmte psychische Profile die Wahrscheinlichkeit, sexlos zu bleiben? Klar ist: Die Lebensrealitäten dieser Minderheit sind vielfältig – und die Ergebnisse stellen stereotype Zuschreibungen infrage.
*Quellen: mpg.de; medrxiv.org; pubmed.ncbi.nlm.nih.gov; diepresse.com