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Mit „Ein Wort, zehn Buchstaben“, das am 31. August im Carlsen Verlag erscheint, legt Adib Khorram einen bewegenden Jugendroman vor, der lange nachhallt. Ein kluges, sensibles Buch über Verantwortung, Identität und den Mut, sich selbst treu zu bleiben – und darüber, dass manchmal tatsächlich ein einziges Wort ein ganzes Leben verändern kann.
Mit „Ein Wort, zehn Buchstaben“ erzählt der Autor eine Geschichte, die auf den ersten Blick von einem Vorfall an einer Schule handelt – und sich doch schnell als viel größere Erzählung entpuppt: über Scham und Schuld, über Identität und Erwartungen, über das schwierige Erwachsenwerden und darüber, wie Sprache Menschen verletzen kann.
Im Mittelpunkt stehen zwei Jungen, die unterschiedlicher kaum erscheinen. Dayton ist beliebt, eingebunden, scheinbar sicher in seiner Rolle. Als er einen Gastautor vor versammelter Schule mit einem homophoben Schimpfwort beleidigt, hält er seine Äußerung zunächst für einen harmlosen Witz. Nur ein Wort. Nur zehn Buchstaben. Doch Worte verschwinden nicht einfach, sobald sie ausgesprochen sind. Sie hinterlassen Spuren – bei anderen und bei einem selbst. Während Dayton mit den Konsequenzen seines Handelns konfrontiert wird und erleben muss, wie Freundschaften zerbrechen und Gewissheiten ins Wanken geraten, kämpft Farshid mit ganz anderen Fragen. Er beginnt zu begreifen, dass er queer ist, und versucht herauszufinden, was das für sein Leben bedeutet. Das Wort, das Dayton ausspricht, trifft ihn tief. Es wird zum Echo all jener Ängste, die viele queere Jugendliche kennen: die Angst, nicht dazuzugehören, nicht akzeptiert zu werden oder sich selbst nicht zeigen zu dürfen. Khorram erzählt diese beiden Perspektiven mit großer Empathie und feinem Gespür für die Widersprüche seiner Figuren. Niemand wird vorschnell verurteilt, niemand auf seine Fehler reduziert. Stattdessen interessiert ihn, wie Menschen lernen können – über sich selbst, über andere und darüber, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Gerade darin liegt die besondere Stärke des Romans. Er verzichtet auf einfache Antworten und moralische Belehrungen. Stattdessen vertraut er darauf, dass seine Leserinnen und Leser die leisen Zwischentöne wahrnehmen: die Unsicherheit hinter der Fassade, den Schmerz hinter der Wut und den Mut, der nötig ist, um sich gegen gesellschaftliche Erwartungen zu stellen.
„Ein Wort, zehn Buchstaben“ ist deshalb weit mehr als eine Geschichte über Homophobie oder Coming-out. Es ist ein Roman über Männlichkeit und darüber, wie einengend traditionelle Rollenbilder sein können – für diejenigen, die ihnen entsprechen sollen, ebenso wie für diejenigen, die nie in sie hineinpassen werden. Dayton und Farshid stellen sich derselben Frage, wenn auch aus unterschiedlichen Richtungen: Was bedeutet es eigentlich, ein guter Mensch zu sein? Und wer möchte ich werden?
Adib Khorram gelingt es, diese Themen mit emotionaler Tiefe und großer erzählerischer Raffinesse zu verbinden. Seine Figuren wirken lebendig, ihre Zweifel nachvollziehbar, ihre Entwicklung ehrlich. Gerade Jugendliche dürften sich in vielen Momenten wiederfinden – unabhängig davon, ob sie selbst queer sind oder nicht. Dass Sprache Macht besitzt, ist keine neue Erkenntnis. Doch selten wird sie so eindringlich und gleichzeitig so hoffnungsvoll erzählt wie in diesem Roman. Denn Khorram zeigt nicht nur, wie Worte verletzen können. Er erinnert auch daran, dass Menschen die Fähigkeit besitzen, zuzuhören, zu lernen und sich zu verändern. adibkhorram.com, carlsen.de
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