Foto: Romain Berger – „L'as de coeur“
Der Körper – vor allem der männliche – wird bei Romain Berger zur Projektionsfläche. In ihm überlagern sich Begehren, Macht und Verletzlichkeit.
Zugleich macht der queere Fotograf sichtbar, wie stark diese maskuline Schönheit von gesellschaftlichen Rollenbildern geprägt ist: von den Masken, die Menschen annehmen, um zu existieren, zu verführen, Erfolg zu haben oder sich zu schützen. Heute ab 18 Uhr feiert der Künstler seine „Fake Society“-Vernissage in Montpellier (hier geht es zur Veranstaltungsseite auf Social Media). Und hier gibt es noch ein Interview mit Romain Berger.
Du bist unlängst in den Süden Frankreichs gezogen, warum? Streben nicht alle nach Paris? Ich bin vor allem wegen des Klimas von Rennes in den Süden gezogen. Im Westen Frankreichs lebte ich die meiste Zeit unter grauem Himmel und vermisste das Sonnenlicht sehr. Der Süden bietet außergewöhnlich viel Sonnenschein, was sich wirklich auf die Stimmung und die tägliche Energie auswirkt. Ich wollte im Licht leben, in der Nähe des Mittelmeers, mit Marseille und Barcelona in Reichweite. Vor über einem Jahrzehnt habe ich fünf Jahre lang in Paris gelebt. Es ist eine intensive und anregende Stadt, aber auch sehr laut, stressig und unruhig. Viele Menschen verlassen Paris schließlich auf der Suche nach mehr Wohlbefinden und geistiger Gesundheit. Von außen mag Paris wie ein Eldorado erscheinen, aber für einen Künstler ist die Konkurrenz extrem stark. Es war nicht mehr das, was ich suchte.
Deine Kunst hat sich weiterentwickelt. War das ein bewusster Vorgang? Meine Themen haben sich nicht grundlegend geändert, aber meine Arbeit mit Licht und Retusche hat sich weiterentwickelt. Ich glaube, das ist unbewusst geschehen. Als ich in Rennes lebte, wo es mir an Sonnenlicht mangelte, habe ich meine Farben fast wie eine Art Ausgleich bis zum Äußersten getrieben. Hier verbringe ich viel mehr Zeit im Freien, lebe eine Art Dolce Vita, und das hat mich ganz natürlich dazu gebracht, meine Farbpalette weicher zu gestalten. Die Farben sind nuancierter, die Botschaft wirkt klarer und offener. Ich würde sagen, meine Bilder sind jetzt noch filmischer als zuvor – immer noch stark konstruiert, aber mit einer natürlicheren Atmosphäre.
Du hast auch einen Fundraiser am online, richtig? Ja, ich habe eine Spendenaktion gestartet, weil ich zwei Ausstellungen in Südfrankreich vorbereite. Eine in Montpellier und eine in der Nähe von Toulon. Die Kosten für die Herstellung der Drucke, die Rahmung und den gesamten Ausstellungsaufbau sind erheblich, und es ist schwierig, sie allein zu tragen. Als Künstler ist man finanziell immer unsicher, und in den letzten Monaten habe ich aufgrund meines Umzugs weniger Fotoshootings gemacht und weniger Werke verkauft. Die Spendenaktion ermöglicht es mir, diese Ausstellungen ordnungsgemäß zu realisieren, ohne mich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. Über die Spendenaktion hinaus ist der Kauf von Drucken über meinen Onlineshop auch eine direkte Möglichkeit, meine Arbeit zu unterstützen.
Stichworte Frühling und Sommer: Worauf können wir uns da freuen? Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich noch nicht, was mich nach dem Frühjahr erwartet, wenn diese beiden Ausstellungen vorbei sind. Derzeit überlege ich, ob ich die Fotografie als Vollzeitberuf weiterführen oder eine neue berufliche Richtung einschlagen soll. Künstliche Intelligenz, neue Technologien und Veränderungen auf dem Markt führen dazu, dass immer weniger Menschen daran interessiert sind, Kunstdrucke zu kaufen. Es ist wichtig, ein gutes Leben zu führen und sich erfüllt zu fühlen, ohne sich in einer Leidenschaft zu verausgaben, die allmählich ihre Freude verlieren kann, wenn sie wirtschaftlich fragil wird. Der Frühling wird also ein wichtiger Moment und vielleicht sogar ein Wendepunkt sein.
*Interview: Michael Rädel
www.thevelvetstudio.fr, www.leetchi.com/fr/c/soutenez-mes-prochaines-expositions-photographiques
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