Ein dicht bepflanzter Park mit einer glitzernden Gewitterwolke in der Mitte ist der Siegerentwurf für das „LGBTQ2+ National Monument“ in Ottawa. Das Denkmal zu Ehren der Opfer der jahrzehntelangen systematischen Verfolgung und Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgender in Kanada wird von der kanadischen Regierung in Zusammenarbeit mit dem LGBT Purge Fund finanziert und soll bis 2025 fertig sein.
„Thunderhead“ besteht aus einer Gewitterwolke in einer großen Säule, mit einer Bühne im Freien für Aufführungen und Großevents und einem Raum im Inneren der Gewitterwolke für privatere Veranstaltungen. Zusätzlich zur Skulptur sieht der Siegerentwurf auch einen Pfad mit einem Heilkreis aus Steinen vor, der die Geschichte von LGBTQ2+ in Kanada nachzeichnet.
Zeichen von Trauma und Widerstandsfähigkeit
Gewonnen hat ein Entwurf von Team Wreford, das sich gegen fünf Mitbewerber*innen durchsetzen konnte. Die Leiterin des Teams, Liz Wreford von Architects Public City, erklärte, das Konzept der Gewitterwolke fange die düstere Vergangenheit ein und lasse gleichzeitig auf eine bessere Zukunft hoffen. „Eine Gewitterwolke kann sehr zerstörerisch sein, aber sie kann auch heilen. Sie kann Blitze und Feuer erzeugen, aber sie sorgt auch für Regen, Nachwachsen und Regeneration.“
Auch Albert McLeod, ein Cree-Ältester, der sich als Two-Spirit identifiziert und am Projekt beteiligt ist, sagte in einer Radiosendung von CBC Manitoba, die Gewitterwolke spiegele das Trauma, aber auch die Widerstandsfähigkeit der queeren Community wider.
„Der Wind kommt, die Stürme kommen, und sie bringen die Dinge wieder ins Lot. [...] Das ist es, was die Gewitterwolke für mich repräsentiert, sie ist die Kraft und die Macht, um zu bestehen, aber auch, um Dinge in Ordnung zu bringen.“
Bespitzelt, diskreditiert und ruiniert: Poliozeigewalt gegen Queers
In den späten 1960er Jahren nahm die kanadische Polizei LGBTIQ*s unverändert ins Visier und verfolgte und schikanierte die queere Community in Kanada. Obwohl Homosexualität entkriminalisiert worden war, wurden Razzien in Schwulenbars und Badehäusern durchgeführt, Menschen allein wegen ihrer Anwesenheit verhaftet und angeklagt. Polizist*innen sind aber auch selbst gezwungen gewesen, ihre Sexualität zu verbergen und ein Doppelleben zu führen. Angehörige des öffentlichen Dienstes, der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) und des Militärs waren bis in die 1990er Jahre systematischer Diskriminierung und Belästigung ausgesetzt: Sie wurden bespitzelt, diskreditiert, aus ihrem Job gedrängt und damit nicht selten ruiniert (männer* berichtete). Mehrere tausend Beamt*innen, Polizist*innen und Soldat*innen fielen dieser „Säuberungsaktionen“ zum Opfer.
Im Jahr 2016 leiteten Überlebende als eine landesweite Sammelklage gegen die kanadische Regierung ein, 2017 entschuldigte sich Kanadas Premierminister Justin Trudeau in einer historischen Rede im Parlament von Ottawa bei den Opfern (männer* berichtete). „Im Namen der Regierung, des Parlaments und des kanadischen Volks: Wir haben falsch gehandelt. Es tut uns leid. Wir werden niemals zulassen, dass dies wieder passiert“, sagte Trudeau und kündigte Wiedergutmachung an. 2018 wurde eine Einigung erzielt. Neben Entschädigungen an Überlebende wurde der LGBT Purge Fund gegründet, um Versöhnungs- und Gedenkprojekte zu finanzieren. „Thunderhead“ ist eines der ersten Projekte aus den Mitteln dieses Fonds.