Kommentar Jonathan Gregory, Leitung von ICH WEISS WAS ICH TU
Foto: Jonathan Gregory
An einem kalten Januarmorgen in 2022 habe ich mich im Empfangsbereich einer psychiatrischen Nervenklinik wiedergefunden. An diesem Tag wurde ich mit einer Depression und einer Angststörung auf der Station aufgenommen. Wie es dann weiterging, erzähle ich euch am Ende dieses Textes. Erstmal so viel: Körperliche Gesundheit und psychisches Wohlbefinden sind untrennbar miteinander verbunden. Sich zu öffnen ist der erste große Schritt.
Zu viel los in der Welt
Tech-Milliardäre, die versuchen Weltpolitik zu steuern, Klima-Krise, weltweite Kriege und Krisen, die uns auf den Sozialen Medien gefangen halten (Stichwort „Doom-Scrolling“) und die anhaltend angespannte politische Lage in Deutschland sind alles Themen, die uns tagtäglich beschäftigen. Zudem prägen Queerfeindlichkeit und ein spürbarer Rechtsdruck unsere Gesellschaft.
Was dabei oftmals unerwähnt bleibt: die mentalen Spuren, die die permanente Angespanntheit bei vielen von uns hinterlässt. Und zugleich ist die Versorgung im Bereich psychische Gesundheit völlig unzureichend – und geradezu katastrophal, was queersensible Angebote und Therapeut*innen angeht.
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Queers besonders stark betroffen
Queere Menschen leiden im Schnitt nicht nur häufiger an Erkrankungen, sondern diese Erkrankungen wirken bei ihnen durchschnittlich auch länger und schwerer. LSBTIQ+-Personen sind im Schnitt häufiger krankgeschrieben und einem höheren Risiko für langfristige Folgen ausgesetzt.
IWWIT spricht darüber
„ICH WEISS WAS ICH TU“, kurz IWWIT, die Präventionskampagne der Deutschen Aidshilfe, möchte sich mit diesem Thema beschäftigen – als Türöffner dienen, damit Angehörige und Betroffene einfacher ein Gespräch starten können.
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Wir von IWWIT sehen mentale Gesundheit als intersektionales Thema, also als ein Thema, das sich mit vielen verschiedenen, weiteren Themen überschneidet. Wir versuchen dementsprechend, die vielen, verschiedenen Faktoren unserer Lebenswelt, die unser psychisches Wohlbefinden beeinflussen können, zu identifizieren und diese im Zusammenhang mit unserem Wohlbefinden zu betrachten. Beispielsweise sehen wir, dass sich auf Menschen, die Stigmatisierung und Diskriminierung aufgrund ihres Gesundheitsstatus, Rassismen oder Queerfeindlichkeit erleben, Stress oftmals anders auswirken kann. Diese Erfahrungen können krankmachen.
Wohlbefinden ist so vielfältig wie unsere Communitys
Ein gemeinsames Gesundheitsverständnis und die damit einhergehende Fürsorge für uns selbst und unsere Mitmenschen kann unsere Communitys nur stärken. Deshalb ist es uns von IWWIT wichtig, mit euch mehr über unser psychisches Wohlbefinden zu reden.
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Pride parade. A group of people participating in a Pride parade. LGBT community. LGBTQ. Doodle vector illustration
Die Symptome meiner Depression waren vielseitig, von großer Müdigkeit über Schlafprobleme, negative Gedankenspiralen, Schwierigkeiten, überhaupt zu denken, bis zu Atemproblemen und Gliederschmerzen.
Mit der Hilfe meines Partners habe ich einen Platz in der Tagesklinik gefunden.
Dort habe ich durch verschiedene therapeutische Angebote gelernt, mich mit meiner psychischen Gesundheit und meiner Erkrankung auseinanderzusetzen. Offen und ehrlich mit anderen Menschen in den Austausch zu kommen, zu spüren, dass ich nicht alleine war mit meinen Symptomen, meinem Krankheitsbild und Gefühlen, das hat mir viel Kraft geschenkt.
Heute lebe ich ohne Depression und Angststörung und befinde mich in der privilegierten Situation, die IWWIT-Kampagne leiten zu dürfen. Deshalb ist es mir wichtig, meine Erfahrungen zu teilen – vielleicht regen sie euch an, dass wir gemeinsam ins Gespräch kommen. Zusammen achtsamer werden – dafür ist jetzt ein super Start.
Falls ihr mehr Informationen wollt, folgt uns auf Instagram, Facebook und besucht unsere Website.
Auf iwwit.de/mymentalme findet ihr mehr Infos und unsere neue Broschüre zu Psychisches Wohlbefinden für LSBTIQ+