Illustration: KI-erstellt / Magnific / CC0
Das gerade erschienene Buch „Flutlinien“ ist ein Roman über das, was bleibt, wenn #mensch fortgeht: über Bilder, die zurückkehren, über Geschichten, die sich nicht zum Schweigen bringen lassen, und über die schwierige Freiheit, die eigene Herkunft neu zu erzählen. Ein vielstimmiges Buch über Verlust, Queerness und Zugehörigkeit – und über die Möglichkeit, dass Heilung manchmal dort beginnt, wo man den Blick zurück nicht länger scheut.
Es gibt Familien, die ihre Vergangenheit bewahren. Und es gibt Familien, die von ihr bewahrt werden – ob sie wollen oder nicht. In „Flutlinien“ erzählt Saleem Haddad von drei Schwestern, einem verschwundenen Vater und einer Heimat, die selbst im Exil nicht aufhört, Gegenwart zu sein. Mediha, Zainab und Ishtar sind im Irak aufgewachsen, längst aber über Kontinente verstreut. Als im Sommer 2014 Gemälde ihres berühmten Vaters wieder auftauchen, beginnt die sorgsam verdrängte Vergangenheit zu erwachen: Erinnerungen, Verrat und Begehren, familiäre Verletzungen und die politischen Verwerfungen eines Landes, dessen Geschichte tief in die Biografien seiner Menschen eingeschrieben ist.
Saleem Haddad, Sohn eines palästinensisch-libanesischen Vaters und einer irakisch-deutschen Mutter, verbindet dabei die große Geschichte mit den leisen, intimen Katastrophen des Privaten. Krieg und koloniale Gewalt erscheinen nicht als bloße historische Kulisse, sondern als Kräfte, die Körper, Familien und Liebesgeschichten über Generationen hinweg prägen. Zugleich erzählt „Flutlinien“ von queerer Liebe und von der Hoffnung, sich eine Zukunft jenseits der ererbten Wunden erschließen zu können. Im Zentrum steht schließlich auch Nizar, Zainabs erwachsener Sohn. Dessen ambivalente Beziehungsgeschichte mit dem Engländer Alfie wird zum Sinnbild der Wechselwirkungen zwischen Herkunft und Zukunft, Privatheit und Gesellschaft. So führt Nizars Weg zur Versöhnung nicht um die verlorene Heimat herum, sondern mitten hinein. Seine Expedition auf dem Tigris wird so zu einer Reise durch ein familiäres Gedächtnis, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart unaufhörlich überlagern. salzgeber.shop/neuerscheinungen
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