Foto: @autor_stefanskassner
Schon seit fast vier Jahren lebt Stefan Kassner nun auf Mallorca, nachdem er zuvor ein Jahrzehnt lang eine HNO-Praxis in der Innenstadt von Mannheim geführt hat. Seine medizinische Laufbahn bildet auch die Grundlage für seinen Roman „Heated Pulse“ – die Neuauflage von „Kein Platz für die Liebe“. Das Buch, das unlängst erschienen ist, erzählt die Geschichte eines Assistenzarztes, der nicht nur den fordernden Klinikalltag meistern muss, sondern auch seinen eigenen Weg als schwuler Mann sucht. Wir fragten schriftlich nach.
Warum bist du nach Mallorca ausgewandert? Lebt es sich dort besser? Die kurze Antwort auf die zweite Frage lautet eindeutig JA! Rückblickend kann ich sagen, dass ich zuvor eher eine Art „Episodenleben“ geführt habe, das sich vor allem durch das Hangeln von einem Wochenende zum nächsten und von Urlaub zu Urlaub definiert hat. Insbesondere in der Coronapandemie – im Stich gelassen von einem System, das den niedergelassenen Ärzten immer mehr abfordert, aber im Umkehrschluss kaum Hilfe anbot – wurde mir bewusst, wie sehr ich in einem Leben gefangen war, das mich kaputtmachte. In dieser Zeit habe ich auch durch ein Schreibfernstudium mein „Schriftsteller-Ich“ wiederbelebt, von dem ich bereits dachte, dass es leblos verkümmert wäre. Diese intensive Auseinandersetzung mit mir, meinem Leben, meiner Situation machte mir klar: Du musst etwas verändern. Die Insel hat mich geheilt. Nicht nur, weil wir mehr Sonne, Strand und Meer haben, sondern weil hier die Wärme aus den Menschen und der wunderbaren Natur strahlt. Ich wurde hier mit offenen Armen aufgenommen und bin nun Teil einer Gemeinschaft, die mir Wertschätzung, Anerkennung und Freundlichkeit entgegenbringt, ohne aufdringlich zu sein.
Aber du bist noch als Arzt tätig? Bin ich. Anfangs benötigte ich eine Pause von dem Beruf, der zuletzt nur noch Last für mich war. Hier habe ich meine Liebe für das „Arztsein“ neu entdeckt oder muss sogar sagen, dass ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich damit verbunden fühle. Ich arbeite in einer Klinik in Palma als HNO-Arzt, beziehungsweise betreibe ich mit einigen Kollegen dort eine Praxis, die in eine Klinik eingegliedert ist. Auch die Arbeit ist hier erfüllender. Nicht weil es einfacher wäre, ganz im Gegenteil, und auch nicht, weil es hier nicht ebenfalls Bürokratie und Widrigkeiten gäbe, sondern weil die Menschen hier dankbarer sind. So gibt es zum Beispiel kaum Diskussionen über Wartezeiten (zu denen es hier ebenfalls kommt), Behandlungsmethoden etc., die in Deutschland einen Großteil meines Praxistages ausmachten. Die Patienten hier sind dankbar, für die Zeit, die man ihnen widmet, und äußern dies auch.
Und du schreibst Bücher. Wie kam es dazu? Wie bereits zuvor gesagt, war das „Erzählen von Geschichten“ schon immer ein Teil von mir. Bevor ich lesen und schreiben konnte, erzählte ich Freunden anhand von Bilderbüchern ausgedachte Geschichten. Und sobald ich schreiben konnte, brachte ich die auch zu Papier. 2019 begann ich dann, wie gesagt, einen Fernlehrgang, in dem ich das Schriftstellerhandwerk erlernte, und auch meinen ersten Roman (bislang noch unveröffentlicht) schrieb. Am 30. Juni 2022 erschien dann „Kein Platz für die Liebe“, meine dritte Verlagspublikation (der zweite Roman, der bei einem Verlag veröffentlicht wurde) und der nun unter dem Titel „Heated Pulse“ neu aufgelegt wurde. In dem Roman habe ich einige persönliche Erfahrungen der Selbstfindung, des Coming-out und auch meiner Assistenzarztzeit an der Uniklinik Mannheim verarbeitet. Und natürlich geht es auch um (die erste) große Liebe, Leidenschaft und die Kämpfe innerhalb und außerhalb einer (jungen) Beziehung.
Worauf legst du Wert bei einem Buch, bei einer Story? Dass sie ein Gefühl transportiert und die Figuren authentisch sind. Dazu gehört, dass sie Ecken und Kanten haben: Charaktere, die keine Hochglanzbilder sind, sondern mit Zweifeln und Ängsten zu kämpfen haben. Die berühren, bewegen, und in denen man womöglich etwas von sich selbst wiederentdeckt. Mit solchen Figuren entwickelt sich die Geschichte nahezu von allein und wird zu etwas Organischem. Ein Werk, das lebt und atmet. Bei dem man den Eindruck hat, es nicht nur zu lesen, sondern zu erleben.
*Interview: Michael Rädel
stefan-kassner.de/heated-pulse, www.digital-publishers.com/de/romane/heated-pulse-gay-romance-ebook
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