Foto: Magnific / CC0
Vom 20. bis 25. Oktober wird das „dicke B“ dank dem „PornFilmFestival“einmal mehr zum Schauplatz eines Kinos, das sich nicht mit den üblichen Grenzen des Zeigbaren zufriedengibt. In den Spielstätten Moviemento, Babylon Kreuzberg, Colosseum und – erstmals in diesem Jahr – dem Kino Central versammelt das Festival 34 Langfilme und 20 Kurzfilmprogramme.
Im Zentrum steht dabei eine Frage, die weit über das Kino hinausweist: Wer hat das queere und pornografische Kino geprägt, wie wir es heute kennen? Gerard Damianos „The Story of Joanna“ von 1975, ein Klassiker des Porno-Chic, ist in einer neuen 4K-Restaurierung zu sehen. Vorgestellt wird der Film von Gerard Damiano Jr. und Christar Damiano, die am 22. Oktober persönlich im Moviemento zu Gast sein werden. So wird aus der Vorführung zugleich eine Begegnung mit einem Stück Filmgeschichte – und mit den Nachkommen jener, die diese Geschichte einst geschrieben haben.
Das 21. Berliner „PornFilmFestival“ versteht Erinnerung allerdings nicht als museale Übung. Zwei im vergangenen Jahr verstorbene Ikonen werden mit eigenen Hommagen ins Gedächtnis gerufen. Rosa von Praunheim, dessen provokantes und politisches Kino die Darstellung schwuler Lebenswelten nachhaltig verändert hat, ist mit einer dreiteiligen Werkschau vertreten: „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ (1971), „Stadt der verlorenen Seelen“ (1983) und „Axel + Peter oder Titten für Arsch“ (2012) laufen vom 22. bis 25. Oktober im Moviemento.
Auch Udo Kier, eine der unverwechselbarsten Figuren des europäischen Kinos, wird geehrt. Zu sehen ist Paul Morrisseys „Blood for Dracula“ von 1974 am 23. Oktober im Moviemento. Bereits am Vorabend verbindet eine Bloody Night im Central den Film mit Ulrike Ottingers „Die Blutgräfin“ (2026) zu einem doppelten Streifzug durch die Lust am Exzess, das Unheimliche und das Blutige.
Eröffnet wird das Festival am 20. Oktober um 19:30 Uhr im Colosseum mit Ratchapoom Boonbunchachokes Cannes-prämiertem „A Useful Ghost“. Danach dürfte die Nacht noch lange nicht vorbei sein: Ab 22 Uhr wird bei der Opening-Party weitergefeiert. Zum Finale kehrt das Festival am 25. Oktober um 19 Uhr ins Moviemento zurück. Mit „Fucking Different Generations“ präsentiert Kristian Petersen das jüngste Kapitel seiner langjährigen Filmreihe – und bringt zahlreiche Mitwirkende persönlich nach Berlin. Ein passender Schlussakkord für ein Festival, das Kino weniger als abgeschlossenen Kanon denn als lebendiges Geflecht von Körpern, Erinnerungen, Begehren und Gegenwart versteht. Parallel dazu öffnet vom 23. bis 24. Oktober das TAK seine Räume für S*MAC – Sex, Media, Arts & Culture, ein neues zweitägiges Format, das sich mit Sex, Sexualität und Intimität in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen beschäftigt. Talks, Workshops und Performances widmen sich unter anderem dem „Domming Yourself“, KI-Bot-Lovern, Cruising, Shadowbanning und der Psychologie des Begehrens. Im bUm findet bereits vom 20. bis 21. Oktober das Adult Industry Forum statt. Die offzielle Party zum Festival steigt am 24. Oktober im Weekend Club, die Closing Party & Preisverleihung erfreut dann am 25. Oktober im Monarch Berlin.
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