Vier Jahre nach der Vorstellung des Entwurfs ist „Thunderhead“ in Ottawa eröffnet worden. Kanadas erstes nationales Denkmal für LGBTIQ*s erinnert an staatliche Verfolgung – und an den jahrzehntelangen Kampf der Community um Gleichberechtigung.
Kanada hat am Freitag in Ottawa sein erstes nationales Denkmal für LGBTIQ*s eröffnet. „Thunderhead“ erinnert insbesondere an Tausende queere Beschäftigte des Militärs, der Bundespolizei RCMP und des öffentlichen Dienstes, die zwischen den 1950er- und 1990er-Jahren aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität verfolgt wurden und berufliche Nachteile erlitten oder ihre Stellen verloren.
Das elf Meter hohe Denkmal steht am Ottawa River in unmittelbarer Nähe des politischen Zentrums der kanadischen Hauptstadt. Generalgouverneurin Louise Arbour würdigte bei der Eröffnung insbesondere diejenigen, die sich gegen die jahrzehntelange Diskriminierung zur Wehr gesetzt hatten. Das Denkmal zeuge von der Entschlossenheit all jener, die den Mut gehabt hätten, gegen Diskriminierung und Unrecht aufzustehen, sagte sie.
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Erinnerung an den „LGBT Purge“
Im Zentrum steht der sogenannte LGBT Purge. Über Jahrzehnte versuchte der kanadische Staat systematisch, schwule, lesbische, bisexuelle und trans* Beschäftigte der Streitkräfte, der RCMP und der Bundesverwaltung zu identifizieren und aus dem Dienst zu drängen. Betroffene wurden überwacht, verhört und schikaniert, Karrieren wurden beendet oder verhindert. Die staatliche Kampagne begann in den 1950er-Jahren und dauerte bis Mitte der 1990er-Jahre.
Die kanadische Regierung bezeichnet die damalige Praxis heute selbst als systematische Verfolgung. Ein wichtiger Schritt der späteren Aufarbeitung war eine Sammelklage von Überlebenden des LGBT Purge. Aus dem daraus hervorgegangenen Vergleich stammt auch das Geld für das neue Denkmal. Besonders eindrücklich: Nach Angaben von Canadian Heritage handelt es sich um Mittel, die Opfern des LGBT Purge zugestanden hätten, wären diese noch am Leben gewesen, um Ansprüche aus dem Vergleich geltend zu machen (männer* berichtete).
Eine Gewitterwolke bricht die Säule auf
Gestaltet wurde „Thunderhead“ von einem kanadischen Team unter Leitung von Public City Architecture aus Winnipeg. Das namensgebende Motiv ist eine mächtige Gewitterwolke. Im Zentrum des Denkmals scheint sie eine massive Säule von innen aufzubrechen. Sie steht für die Kraft von LGBTIQ*s, gesellschaftliche Barrieren zu überwinden und für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung zu kämpfen. Tausende verspiegelte Fliesen im Inneren reflektieren die Vielfalt der Community und erinnern zugleich an früh Verstorbene.
Auch die Umgebung gehört zum Konzept. Ein Healing Circle und ein Garten würdigen die Erfahrungen von Two-Spirit- und Indigiqueer-Personen. Ein Obstgarten greift Begriffe auf, die einst zur Herabwürdigung queerer Menschen benutzt wurden, und eignet sie positiv neu an.
Das Denkmal soll damit nicht ausschließlich an Verfolgung erinnern. Es würdigt zugleich den Aktivismus und die Erfolge der kanadischen LGBTIQ*-Community und soll nach dem Willen der Initiator*innen auch für künftige Generationen ein Ort der Begegnung sein.