Was sagt die Wissenschaft? Eine neue Analyse im Journal of Sex Research hat Daten von fast 25.000 Menschen ausgewertet. Das Ergebnis: Monogame Paare sind nicht glücklicher als Menschen in einvernehmlich nicht-monogamen Beziehungen (ENM). Zeit also, die größten Mythen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Mythos 1: „Offene Beziehungen machen unglücklich“
Das wohl häufigste Vorurteil lautet, dass Menschen in offenen oder polyamoren Beziehungen weniger zufrieden seien. Die Analyse zeigt allerdings durchgängig stabile Null-Effekte: Weder Beziehungszufriedenheit noch sexuelle Erfüllung unterscheiden sich im Durchschnitt zwischen monogamen und nicht-monogamen Partnerschaften. Glück hängt also nicht vom Modell ab, sondern davon, ob die Beziehung zu den eigenen Bedürfnissen passt.
Mythos 2: „Offene Beziehungen sind nur etwas für LGBTIQ*“
Ein weiterer verbreiteter Gedanke ist, dass einvernehmliche Nicht-Monogamie vor allem in queeren Communities vorkomme und dort funktioniere. Die Studie überprüfte explizit, ob die Ergebnisse für LGBTIQ* und heterosexuelle Personen unterschiedlich ausfallen. Das Resultat: Die Zufriedenheit unterscheidet sich nicht zwischen den Gruppen. Ob monogam oder ENM – beide Orientierungen berichten im Mittel vergleichbare Werte.
Mythos 3: „Mehr als ein Partner zerstört Nähe und Vertrauen“
Das Bild von oberflächlichen oder instabilen Bindungen prägt oft die Wahrnehmung nicht-monogamer Beziehungsformen. Aber auch hier widersprechen die Daten: In Subgruppenanalysen zeigte sich kein systematischer Unterschied bei Intimität, Vertrauen oder emotionaler Nähe. Wer offen lebt, muss deshalb nicht weniger tief verbunden sein – entscheidend sind klare Absprachen und gegenseitiger Respekt.
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Mythos 4: „Monogamie schützt besser vor Konflikten“
Monogame Partnerschaften gelten häufig als sicherer Rahmen gegen Eifersucht, Unsicherheit oder Konflikte. Doch die Analyse legt nahe, dass Probleme nicht vom Beziehungsstil abhängen, sondern davon, wie Paare mit Erwartungen und Kommunikation umgehen. In offenen Beziehungen ist Untreue definitionsgemäß kein Thema, weil Grenzen gemeinsam vereinbart werden. Konflikte entstehen in beiden Modellen, wenn Absprachen fehlen oder missachtet werden.
Mythos 5: „Offene Beziehungen sind instabil und nicht alltagstauglich“
Nicht-monogame Partnerschaften gelten oft als kompliziert, zeitintensiv oder von kurzer Dauer. Die Ergebnisse zeigen aber keine erhöhte Instabilität oder geringere Zufriedenheit. Zwar können offene Strukturen mehr Organisation erfordern, etwa durch regelmäßige Gespräche oder klare Regeln, doch dies bedeutet nicht automatisch weniger Beständigkeit. Vielmehr kann die bewusste Auseinandersetzung mit Bedürfnissen die Partnerschaft sogar stärken.
Die Meta-Analyse liefert keine Hinweise auf eine Überlegenheit monogamer Beziehungen. Stattdessen zeigt sich: Sowohl Monogamie als auch einvernehmliche Nicht-Monogamie können erfüllend sein – wenn sie den Wünschen der Beteiligten entsprechen. Offenheit in der Beziehungsgestaltung ist damit weniger eine Frage der „richtigen“ Form, sondern eine des Miteinanders.
*Quellen: The Journal of Sex Research; La Trobe University; EurekAlert!; ResearchGate