Fotos: MICHA.fotografiert
Michael Zimmermann alias MICHA.fotografiert setzte den Regenbogen – eines der Symbole der LGBTIQ*-Community – einmal ganz anders in Szene. Wir haben in einem Chat nachgehakt.
Wie kamst du an die Models? Ich hatte von Anfang an die Idee, Frankfurt so bunt wie möglich mit einzelnen Personen zu zeigen. Also wusste ich genau, welche Art von Menschen ich dabeihaben wollte. Das habe ich auch entsprechend in meinen Instagram-Storys kommuniziert und daraufhin diverse interessante Zuschriften bekommen. Es sollte eben nicht sechsmal ‚schwul, jung, Sixpack‘ sein, sondern möglichst divers.
Und das war schwerer als gedacht, oder? Tatsächlich! Gerade gegen Ende dachte ich, dass ich eventuell sogar die Farben der Transflagge – Rosa, Hellblau und Weiß – mit einbauen könnte. Dafür haben mir dann aber doch noch mehr Menschen gefehlt. Hinzu kamen natürlich auch ganz ‚reguläre‘ Faktoren wie Terminfindung und Kleidung, die mit jeder einzelnen Person individuell besprochen werden mussten.
Die Farben der queeren Flagge, wie sie Ende der 1970er-Jahre definiert wurde, haben ja jeweils eine eigene Bedeutung. Wie hast du das verarbeitet? Leben, Heilung, Sonnenlicht, Natur, Kunst, Harmonie, Geist/Spiritualität? Also erstens denke ich, dass die Bilder das schon selbst beantworten. Ich bin aber auch der Meinung, dass sich die Bedeutung etwas verschoben hat. Es geht weniger darum, sich zu fragen, was jede einzelne Farbe bedeutet, sondern vielmehr darum, was die Farben als Einheit bedeuten. Der Ursprungsgedanke war dabei ‚Stolz‘ – als bewusste Abkehr vom rosa Dreieck, das durch die Nazis negativ besetzt war. Stolz darauf, anders zu sein. Stolz auf Diversität. Deshalb könnte der Regenbogen auch kaum besser zu Frankfurt passen: In Frankfurt leben Menschen aus 179 Nationen. Unsere Szene ist lebendig, bunt, schrill und divers. 57 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, damit zählt Frankfurt zu den internationalsten Städten Deutschlands. ‚Bunt‘ beziehungsweise der Regenbogen passt hier also perfekt.
Was bedeutet der CSD für dich? Für mich ist der CSD wie ein riesiges Familientreffen über mehrere Tage. Man trifft Menschen aus anderen Städten und feiert sich als Community. Ich bin stolz darauf. Ich genieße es, mich komplett frei zu fühlen. Gleichzeitig finde ich es total schön zu sehen, wie viele Allies wir eigentlich haben und wie viele Menschen hinter uns stehen, ohne selbst Teil der LGBTIQ*-Community zu sein.
*Interview: Michael Rädel
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