Foto: N. Engellandt
Am 14. Mai, am Vatertag, veröffentlicht Andy Sharif den Song „Baba“, ein leiser, eindringlicher Popsong, dessen Titel das persische Wort für „Vater“ trägt und bereits damit das Spannungsfeld markiert, in dem sich die Erzählung bewegt. Es ist ein Stück über Erinnerung, über Verletzung und über die mühsame Arbeit der inneren Versöhnung.
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte. Vor zehn Jahren führte ein unfreiwilliges Outing in der deutsch-iranischen Familie des Künstlers zu einer Eskalation, deren Brutalität sich kaum beschönigen lässt: Der Vater drohte dem Sohn mehrfach mit dem Tod, sollte er „weiter so leben“. In dieser Erfahrung verdichtet sich ein Moment existenzieller Entfremdung – das Wissen, im vermeintlich schützenden Raum der Familie nicht mehr sicher zu sein. „In dem Moment habe ich verstanden, dass ich nicht mehr sicher bin, nicht einmal in meiner eigenen Familie“, erinnert sich der Künstler.
„Baba“ greift diese Erfahrung nicht in Form einer Anklage auf, sondern als tastende, reflektierte Rückschau. Eine Strophe auf Farsi durchzieht den Song wie ein emotionaler Riss und macht die Zerrissenheit zwischen kultureller Herkunft und individueller Selbstbestimmung unmittelbar hörbar. Die musikalische Zurückhaltung, getragen von Gitarre und Klavier, verstärkt dabei die Intimität des Erzählens.
Heute arbeitet Andy Sharif als approbierter Psychotherapeut. Seine künstlerische Praxis versteht er auch als Erweiterung dieses beruflichen Selbstverständnisses: als Versuch, jenen eine Sprache zu geben, die ähnliche Erfahrungen von Ablehnung und Angst gemacht haben. „Baba“ ist in diesem Sinne weniger ein Abschluss im pathetischen Sinne als vielmehr ein stiller Akt der Selbstvergewisserung. Der Blick zurück erfolgt ohne demonstrative Wut, vielmehr mit einer Haltung, die das Erlebte anerkennt, ohne sich von ihm bestimmen zu lassen. www.instagram.com/andysharif
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